WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Verschärfung der Corona-Pandemie trübt die Gewinnerwartungen des Immobilienfinanzierers Aareal Bank . Finanzvorstand Marc Heß rechnet wegen der Krise mit mehr Kreditausfällen - und strich deshalb seine bisherige Gewinnprognose für 2020 am Donnerstag zusammen. Als Grund nannte die Bank eine absehbar schlechtere Entwicklung der Wirtschaft in den meisten Regionen, in denen sie Gewerbeimmobilien finanziert hat. Der Vorstand erwartet nun eine stärkere Rezession als noch vor wenigen Monaten gedacht. Zudem dürfte die Erholung ein halbes Jahr länger brauchen, teilte die Aareal Bank in Wiesbaden mit.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Für die Aareal-Aktie ging es Morgen vorübergehend mehr als sechs Prozent abwärts. Um die Mittagszeit lag sie nur noch mit 1,27 Prozent im Minus bei 17,11 Euro, gehörte damit aber immer noch zu den schwächsten Werten im MDax . Seit dem Jahreswechsel hat ihr Kurs rund 43 Prozent eingebüßt. Damit ist die Bank an der Börse derzeit nur noch rund eine Milliarde Euro wert.

Finanzvorstand Heß versuchte der derzeitigen Lage etwas Positives abzugewinnen. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie treffen auch uns, keine Frage", sagte er. "Aber die bisherigen Belastungen sind für uns beherrschbar - und aufgrund unserer starken finanziellen Position auch absolut verkraftbar." Heß vertritt die Bank seit wenigen Tagen nach außen - anstelle von Vorstandschef Hermann Merkens. Denn Merkens fällt aus gesundheitlichen Gründen für mehrere Monate aus.

Unterdessen müssen sich die Aktionäre der Aareal Bank vorerst wohl auf noch weniger Gewinn einstellen als noch im Sommer gedacht. Für 2020 rechnet der Vorstand jetzt nur noch mit einem Betriebsgewinn im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Im August war der Vorstand noch von einem mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbetrag ausgegangen. Analysten hatten zuletzt mit rund 71 Millionen Euro gerechnet.

Doch mit der zweiten Infektionswelle und den neuerlichen Lockdowns in vielen Ländern droht sich auch die wirtschaftliche Lage in vielen Ländern zu verschärfen. In den ersten neun Monaten hat die Aareal Bank gerade einmal einen Betriebsgewinn von 24 Millionen Euro erwirtschaftet. Um das gesenkte Ziel für das Gesamtjahr zu erreichen, muss im vierten Quartal noch einmal ähnlich viel hinzukommen.

So legte die Aareal Bank im dritten Quartal weitere 61 Millionen Euro für gefährdete Kredite zurück. Damit hat sie in diesem Jahr schon 167 Millionen Euro in die Risikovorsorge gesteckt, gut dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Der Betriebsgewinn sackte im dritten Quartal im Jahresvergleich um 83 Prozent auf 11 Millionen Euro ab. Analysten hatten im Schnitt fast doppelt so viel erwartet.

Unter dem Strich geriet die Aareal Bank sogar in die roten Zahlen. Auf die die Aktionäre entfiel im dritten Quartal ein Verlust von 4 Millionen Euro nach einem Gewinn von 35 Millionen im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten auch diesmal zumindest mit einem kleinen Plus gerechnet.

Während die Bank in diesem Jahr immer mehr Geld für gefährdete Kredite zurückgelegt hat, ist die Zahl der tatsächlichen Forderungsausfälle im Vergleich zu früheren Jahren deutlich gesunken. So hatte der Immobilienfinanzierer schon vor der Corona-Krise faule Darlehen für Immobilien in Italien mit Abschlägen an Abwickler verkauft. Im dritten Quartal trennte sich die Bank nach eigenen Angaben von weiteren wackligen Krediten im Umfang von 82 Millionen Euro.

Die Aareal Bank finanziert Gewerbeimmobilien wie Bürogebäude, Hotels, Einkaufszentren und Logistik-Hallen, aber auch Wohnimmobilien und Studenten-Appartements. Die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben vor allem die Reisebranche, aber auch Teile des Einzelhandels schwer getroffen.

Im Frühjahr fiel das Reisegeschäft in Europa monatelang fast komplett aus, viele Läden blieben wochenlang geschlossen. Und während viele Menschen ihre Einkäufe inzwischen ins Internet verlagert haben, dürfen Hotels in Deutschland im zweiten Lockdown derzeit nur Geschäftsreisende beherbergen.

Aareal-Finanzchef Heß zeigte sich aber überzeugt, dass die Menschen wieder Lust aufs Reisen bekommen, sobald die Pandemie einigermaßen im Griff ist. Zudem seien die 236 von der Bank finanzierten Hotels insgesamt gut aufgestellt, um die Covid-19-Krise zu meistern.

Insgesamt hat die Aareal rund 8,6 Milliarden Euro an Krediten für Hotels ausstehen. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf Westeuropa einschließlich Deutschland, weitere 38 Prozent auf Nordamerika. Darunter sind den Angaben vor allem Hotels für zahlungskräftige Kunden: Die Bank ordnet mehr als 80 Prozent der Oberklasse, der gehobenen Oberklasse und der Luxusklasse zu./stw/mis/stk