PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die in den USA erwarteten geldpolitischen Straffungen haben am Montag den europäischen Börsen wieder schwer zugesetzt. Der EuroStoxx 50 weitete vor allem am Nachmittag seine Verluste im Sog der erneut abrutschenden New Yorker Börsen aus. Am Ende sackte er um 4,14 Prozent auf 4054,36 Punkte ab. Erst bei 4035 Punkten konnte er sich im Verlauf etwas stabilisieren. Dies war sein tiefstes Niveau seit Ende November.

Vor dem Leitzinsentscheid der Fed am Mittwoch und den in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne gingen die Anleger weiter aus dem Risiko. Börsianer ergänzten derweil als neuen Grund den Ukraine-Konflikt, der die Ängste der Anleger noch verstärke. Marktbeobachter Craig Erlam vom Broker Oanda äußerte daraufhin seine Bedenken an Aktien als Risikoanlage. "Der Mittwoch wird von großer Bedeutung sein. Die Fed muss das richtige Gleichgewicht zwischen der gefährlich hohen Inflation und dem Vermeiden weiterer Turbulenzen finden", so der Experte.

Der Ausverkauf zeigte sich in Europa an allen wichtigen Börsenplätzen. In Paris sackte der Cac 40 letztlich um 3,97 Prozent auf 6787,79 Punkte ab. Der britische FTSE 100 verlor 2,6 Prozent auf 7297,15 Zähler.

Der Kurswechsel der Fed verändere das bislang sehr positive Aktienmarktumfeld fundamental, sagte Eckhard Schulte, Vorstandschef von MainSky Asset Management. "Nicht nur, dass eine erste Zinserhöhung in den USA im März gesetzt scheint, durch die von der Fed angestrebte Reduzierung ihrer Bilanz dürfte sich das Chance-Risiko-Profil für Aktien im Jahresverlauf weiter verschlechtern."

Im Sog der erneut besonders schwachen New Yorker Nasdaq-Börse waren Technologiewerte am Montag in der Branchenwertung erneut die größten Verlierer. Der Sektorindex rutschte um 5,8 Prozent auf das tiefste Niveau seit einem halben Jahr ab. Börsianer sprechen hier in Erwartung der bald steigenden Zinsen von einer stattfindenden Korrektur besonders hoher Bewertungen. Aus der Branche waren im EuroStoxx die Aktien des Zahlungsabwicklers Adyen sowie dem Chip-Zulieferer ASML mit Abgaben von 8,8 respektive 7,0 Prozent unter den größten Verlierern.

Die Zurückhaltung der Anleger war auch wieder im Reise- und Freizeitsektor zu spüren, er büßte 5,4 Prozent ein. Die geopolitischen Risiken galten hier als neuer Sorgenpunkt in einer Branche, die lange unter der Rolle als großer Corona-Verlierer litt. Besonders kräftig unter Druck standen aber auch die Titel aus der Autobranche oder dem Bausektor mit Abgaben bei ihren Teilindizes nahe fünf Prozent.

Eine der wichtigsten positiven Ausnahmen waren die Aktien von Unilever , die sich nach einem Pressebericht über eine Beteiligung des aktivistischen Investors Trian Partners deutlich erholten. In London rückten sie um 7,3 Prozent vor. Analyst Bruno Monteyne von Bernstein Research sieht in dem Einstieg einen möglichen Schritt in Richtung einer neuen Management-Kultur. Der Schritt sei somit eine gute Nachricht für Investoren, die am aktuellen Management zweifelten.

Für die Aktien von Vodafone ging es derweil in London um 4,5 Prozent hoch. Hier wurde am Markt auf Berichte verwiesen, der britische Telekom-Riese schaue sich derweil am Markt nach potenziellen Fusionspartnern für seine britischen und italienischen Geschäftseinheiten um. Dies sorgte mit dafür, dass sich der als defensiv geltende Telekomsektor noch am stabilsten entwickelte, wenngleich auch bei diesem Sektorindex ein Minus von 1,5 Prozent auf der Kurstafel stand. Die Titel des wohl größten Wettbewerbers in Europa, der Deutschen Telekom, büßten 2,3 Prozent ein./tih/he