PARIS/LONDON (dpa-AFX) - An Europas zuletzt lustlosen Börsen ist es am Freitag dank eines Schlussspurts deutlich bergauf gegangen. Offenbar seien die Anleger zuversichtlich, dass die USA und China auf dem G20-Gipfel in Japan eine Verbesserung ihres Verhältnisses erreichen könnten, schrieb Analyst David Madden von CMC Markets UK. Jüngst hatten Berichte Hoffnungen zumindest auf einen "vorläufigen Burgfrieden" im Handelsstreit beider Länder genährt. An der Wall Street agierten die Investoren indes vorsichtiger. US-Präsident Donald Trump trifft sich erst am Samstag in Osaka zu Gesprächen mit Chinas Staatschef Xi Jinping.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> weitete seine Gewinne im Tagesverlauf aus und zog insbesondere in den letzten anderthalb Handelsstunden kräftig an. Zum Schluss verbuchte der Leitindex der Eurozone ein Plus von 0,91 Prozent auf 3473,69 Punkte. Auf Wochensicht kam er zwar kaum voran. Doch die Bilanz für den Juni kann sich mit fast sechs Prozent Plus sehen lassen, und für das erste Halbjahr steht nach dem schwachen Börsenjahr 2018 ein Kursanstieg von knapp 16 Prozent zu Buche.

Die anderen europäischen Indizes verabschiedeten sich am Freitag ebenfalls mit Tagesgewinnen aus dem Handel: Der französische Cac 40 <FR0003500008> rückte um 0,83 Prozent auf 5538,97 Punkte vor und der britische FTSE 100 <GB0001383545> schaffte immerhin ein Plus von 0,31 Prozent auf 7425,63 Punkte.

Im europäischen Branchenvergleich gab es vor dem Wochenende fast nur Gewinner. Am besten schlugen sich die Aktien von Reise- und Freizeitunternehmen: Deren Subindex <CH0019112744> im marktbreiten Stoxx Europe 600 <EU0009658202 > gewann über anderthalb Prozent.

Als Zugpferd erwies sich der fast 14-prozentige Kurssprung bei Merlin Entertainments <GB00BDZT6P94> nach einem Übernahmeangebot. Die Familie des Lego-Gründers Ole Kirk Kristiansen will gemeinsam mit zwei weiteren Investoren den Betreiber unter anderem von Legoland-Freizeitparks zurückkaufen. Zudem stützte der leichte Rückgang der davor stark gestiegenen Ölpreise, was vor allem die Treibstoffkosten für Fluggesellschaften und Reedereien vergünstigt.

Der Index der Technologiefirmen <EU0009658921> schaffte ebenfalls ein Plus von mehr als anderthalb Prozent. Positive Signale kamen vom gestiegenen US-Halbleiterindex Sox.

Dagegen trat der Index der Öl- und Gasunternehmen <EU0009658780> als einziger der Branchenindizes prozentual unverändert auf der Stelle.

Als einer der schwächsten Werte im FTSE 100 verloren die Papiere der BT Group <GB0030913577> über ein Prozent. Der französische Telekomkonzern Orange <FR0000133308Y> warf seine letzten Anteile am britischen Branchenkollegen auf den Markt. Die Anteilsscheine von Orange legten moderat zu.

Unter den schwächsten Werten im schweizerischen Leitindex SMI <CH0009980894> büßten die Aktien der Credit Suisse <CH0012138530> 0,38 Prozent ein. Die Bank hatte beim zweiten Teil des jährlichen US-Stresstests für große Finanzkonzerne nur unter Auflagen grünes Licht erhalten. Dagegen legte der Verpackungshersteller Aluflexpack <CH0453226893> in Zürich einen guten Börsengang hin: Zum Schluss notierten die Aktien mit 22,50 Franken klar über dem Ausgabepreis von 21 Franken./gl/he