PARIS/LONDON (dpa-AFX) - An den europäischen Aktienmärkten haben die Kurse am Dienstag deutlich nachgegeben. Vor allem am Nachmittag wurde der Druck größer, als die US-Börsen nach dem verlängerten Feiertags-Wochenende mit Ausnahme solider Technologiewerte auf Talfahrt gingen. Dem konnte sich der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 nicht entziehen. Er weitete sein Minus mit letztlich 4052,67 Punkten auf 0,85 Prozent aus. Kurzzeitig stand er bei 4038 Punkten sogar auf einem Tief seit Ende Mai.

Auch die großen europäischen Länderbörsen waren daraufhin im Verlauf deutlicher ins Minus abgerutscht. Für den französischen Cac 40 ging es am Ende um 0,91 Prozent auf 6507,48 Punkte nach unten. Beim britischen FTSE 100 stand zum Schluss ein Abschlag von 0,89 Prozent auf 7100,88 Zähler auf der Kurstafel.

Im frühen Handel waren schon Wirtschaftsdaten aus Deutschland kein gutes Omen, später kamen auch aus den USA Dämpfer. Dort hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im Juni überraschend deutlich eingetrübt. Laut Analyst Tobias Basse offenbart sich damit immer klarer, "dass der aktuelle Wirtschaftsaufschwung in den Vereinigten Staaten an die Kapazitätsgrenzen zu stoßen beginnt." Allgemein flüchteten Anleger auf beiden Seiten des Atlantiks verstärkt aus den zuletzt gefragten zyklischen Aktien.

Angesichts der trüberen Aussichten überraschte es nicht, dass der von BMW , Daimler und Volkswagen dominierte Autosektor in Europa in der Branchentabelle mit einem Abschlag von 2,9 Prozent der größte Verlierer waren. Die Aktien der drei deutschen Autobauer versammelten sich mit Abschlägen nahe vier Prozent am EuroStoxx-Ende.

Ebenfalls zu den Zyklikern werden stets die Banken- und Rohstoffwerte gezählt. Deren Teilindizes schlugen sich mit Abgaben von jeweils etwa zweieinhalb Prozent kaum besser als der Autosektor. Für die Papiere von Banco Santander , ING Group und BNP Paribas ging es im EuroStoxx um mehr als drei Prozent bergab.

Zeitweise im Plus stehend, drehte am Ende auch der Index der Öl- und Gaswerte mit 1,8 Prozent ins Minus. Die Ölpreise hatten am Dienstag erst mehrjährige Höchststände erreicht, da sich der Ölverbund Opec+ zunächst nicht auf eine Ausweitung seiner Produktion einigen konnte. Der Rückenwind verblasste jedoch unter dem Eindruck der Konjunktursorgen.

Die wenigen positiven Impulse kamen am Dienstag aus dem defensiven Bereich sowie dem Technologiesektor, dessen Teilindex um gut ein halbes Prozent stieg. Hier waren die Vorgaben aus den USA weniger belastend, der Nasdaq 100 -Index hatte dort am Dienstag im frühen Handel einen erneuten Rekord aufgestellt. Der größte EuroStoxx-Gewinner war denn auch die Tech-Holding Prosus mit 1,8 Prozent Plus. Die Titel erholten sich damit von ihrem Kursrutsch vom Vortag.

Unter den Einzelwerten fielen ansonsten die Aktien von Alstom mit einem Kursrutsch um 8,4 Prozent negativ auf. Der Bahntechnikkonzern hat sich nach der Übernahme der Bombardier -Zugsparte neue Wachstumsziele gesetzt. JPMorgan -Analyst Akash Gupta bezeichnete den erwarteten Barmittelabfluss im ersten Halbjahr als klar negative Überraschung./tih/jha/