PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Enttäuschende Aussagen der US-Notenbank Fed haben Europas Börsen am Donnerstag wenig anhaben können. Ihnen halfen auch positiv aufgenommene Industrie-Stimmungsdaten aus Südeuropa. Ansonsten stand eine Flut von Unternehmenszahlen im Fokus der Anleger

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> schaffte es nach einem verhaltenen Start schnell ins Plus. Einen zwischenzeitlichen Schwächeanfall schüttelte er wieder ab, als sich auch die am Mittwoch von den Fed-Aussagen gebeutelte Wall Street sichtbar erholte. Zum Handelsende behauptete der Leitindex der Eurozone einen Kursgewinn von 0,67 Prozent auf 3490,03 Punkte. Der französische Cac 40 <FR0003500008> schaffte letztlich ein Plus von 0,70 Prozent auf 5557,41 Punkte.

Dagegen tanzte der britische FTSE 100 <GB0001383545> mit einem Kursabschlag von 0,03 Prozent auf 7584,87 Zähler aus der Reihe, nachdem die Bank of England den Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent belassen hatte. Angesichts der hohen wirtschaftlichen Risiken durch den Brexit spielen die britischen Währungshüter weiter auf Zeit. Zudem litt das Londoner Börsenbarometer unter der Schwäche der hoch gewichteten Öl- und Rohstoffaktien.

Die US-Währungshüter hatten am Mittwochabend wie erwartet erstmals seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt gesenkt. Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch von der Bayerischen Landesbank sprach daraufhin aber von einer nur "zaghaften Zinssenkung". Zudem schloss der Fed-Vorsitzende Jerome Powell weitere Schritte in diese Richtung zwar nicht aus, erteilte aber Erwartungen an eine Serie weiterer Senkungen eine Absage.

Dagegen begünstigten Daten zur Stimmung in Europas Industriebetrieben die Risikobereitschaft der Anleger. Zwar war der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Juli weiter zurückgegangen, wie das britische Marktforschungsinstitut IHS Markit in einer zweiten Schätzung mitteilte. Doch in Spanien machte der Indexwert einen Teil der Rückgänge der vergangenen Monaten wieder wett. Auch der Indexwert aus Italien überraschte positiv und legte entgegen den Erwartungen etwas zu.

Im europäischen Branchenvergleich schlugen sich Finanzdienstleister am Donnerstag am besten: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann über zwei Prozent. Ihm gab das fast vierprozentige Kursplus von Euronext <NL0006294274> Auftrieb, nachdem der Börsenbetreiber mit dem Quartalsgewinn je Aktie selbst die optimistischste Analystenschätzung übertroffen hatte. Zudem zogen die Titel von Konkurrent London Stock Exchange (LSE) <GB00B0SWJX34> nach der nicht mehr überraschenden Ankündigung, den Finanzdatenanbieter Refinitiv zu übernehmen, um gut sechseinhalb Prozent an.

Einzige Verlierer waren hingegen die Indizes der Rohstoff- und Ölunternehmen mit Kursabschlägen von über drei beziehungsweise knapp anderthalb Prozent. Hier belasteten neben deutlich gesunkenen Preisen für Öl sowie einige Stahlprodukte auch enttäuschende Geschäftsberichte.

So hatte der Gewinneinbruch im zweiten Quartal die Titel des Öl- und Gaskonzerns Shell <GB00B03MLX29> um gut fünf Prozent absacken lassen, was sie zu einem der größten Verlierer in London machte. Für die Aktien des Bergbaukonzerns Rio Tinto <GB0007188757> ging es nach Halbjahresresultaten um fast dreieinhalb Prozent nach unten. Die Anteilsscheine des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal <LU0323134006> verloren angesichts überraschend roter Zahlen knapp anderthalb Prozent.

Positiv wurden die jüngsten Geschäftszahlen mehrerer Banken aufgenommen: Die Aktien der französischen Societe Generale <FR0000130809> legten dank eines überraschend hohen Quartalsgewinns um fast sechs Prozent zu, was sie zum Spitzenreiter im EuroStoxx machte. Auch die britischen Wettbewerber Barclays <GB0031348658> und Standard Chartered <GB0004082847> überzeugten, wie die Kursgewinne von mehr als ein beziehungsweise fast dreieinhalb Prozent belegten.

Negativer Ausreißer war indes die niederländische Bank ING <NL0011821202> mit einem Minus von 2,3 Prozent. Adrian Cighi vom Analysehaus RBC bemängelte, dass Zinsüberschuss und Kosten schlechter ausgefallen seien als erwartet./gl/he