PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Zum Ende einer soliden Börsenwoche ist der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> auf den höchsten Stand seit Anfang 2018 geklettert. Allerdings betrug der Gewinn am Freitag am Ende lediglich 0,09 Prozent auf 3624,68 Punkte. Rückenwind erhielten die Kurse der europäischen Schwergewichte am Nachmittag von der Wall Street, wo der technologielastige Nasdaq 100 <US6311011026> ein weiteres Rekordhoch erreichte.

Zuvor hatte der EuroStoxx 50 die längste Zeit im Minus gedümpelt. Analyst David Madden vom Broker CMC Markets begründete dies mit der Unschlüssigkeit von Aktienhändlern angesichts der endlosen "Brexit-Saga". Auch in der kommenden Woche, wenn es um die Frage von Neuwahlen zum britischen Parlament gehe, könnten Händler wieder in "politische Lähmung" verfallen, prognostizierte er.

Im Verlauf der Woche belief sich der Anstieg des EuroStoxx 50 auf 1,3 Prozent. Der französische Cac 40 <FR0003500008> legte am Freitag um 0,67 Prozent auf 5722,15 Zähler zu, angetrieben von den Kursgewinnen der Schwergewichte Kering <FR0000121485>, Vinci <FR0000125486> und LVMH <FR0000121014>. Der britischen Leitindex FTSE 100 <GB0001383545> schloss dagegen 0,05 Prozent niedriger bei 7324,47 Punkten.

Ein Kursdesaster erlebten die Aktien von AB Inbev <BE0003793107>. Der weltgrößte Bierbrauer dämpfte wegen hoher Rohstoffkosten und des starken Dollar die Erwartungen für 2019. Beim operativen Gewinn rechnet der Brauer bekannter Marken wie Beck's, Budweiser, Corona und Stella Artois in diesem Jahr nur noch mit einem moderaten Plus. Daraufhin sackten die Aktien mit einem Minus von mehr als 11 Prozent ab. Der Kursrutsch belastete den gesamten Nahrungsmittelsektor <EU0009658749>, der mit einem Abschlag von 1,68 Prozent den letzten Platz auf dem europäischen Sektortableau einnahm.

Kering <FR0000121485> dagegen ließ die Anleger jubeln: Der Luxusgüterkonzern hatte mit den Umsatzzahlen für das dritte Quartal positiv überrascht, so dass die Papiere an der EuroStoxx-Spitze um fast 9 Prozent anzogen. Die Stabilisierung der Marke Gucci dürfte zu einer Neubewertung des Unternehmens führen, schrieb Analystin Zuzanna Pusz von der Schweizer Großbank UBS. Dank des Kurssprungs bei Kering hatte die Einzelhandelsbranche <CH0019112553> mit plus 1,23 Prozent auch europaweit die Nase vorn.

Der französische IT-Dienstleister Capgemini <FR0000125338> rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Umsatz am unteren Ende der zuvor avisierten Spanne. Grund dafür sei die erwartete Abschwächung der Wirtschaft, hieß es. Die Anteilsscheine sackten daraufhin am Ende des Cac-40 um gut 5 Prozent ab.

Grund zur Freude hatten hingegen die Aktionäre von Michelin <FR0000121261>: Der Reifenhersteller hält trotz eines pessimistischeren Blicks auf die Branche an seiner Jahresprognose fest. Der Kurs zog um 6 Prozent an.

In Zürich stiegen die Aktien von LafargeHolcim <CH0012214059> um rund 2,3 Prozent. Der Baustoffkonzern profitierte von einem anhaltenden Bauboom in Europa und Nordamerika.

Der weltgrößte Werbekonzern WPP <JE00B8KF9B49> habe im dritten Quartal "weit besser als erwartet" abgeschnitten, urteilten die Analysten der Privatbank Berenberg. Die Anleger reagierten begeistert, die Aktien kletterten an der Spitze des "Footsie" um gut 6 Prozent nach oben./bek/jha/