PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas wichtigste Börsen haben sich nach ihrem gestrigen Kursrückschlag am Mittwoch etwas stabilisiert und mehrheitlich mit knappen Gewinnen geschlossen. Als Stütze vor dem abendlichen Zinsentscheid der US-Notenbank Fed erwies sich eine Reihe positiv aufgenommener Zahlen von Unternehmen. Lediglich am Londoner Handelsplatz ging es bergab - er hatte sich zuletzt besser gehalten und zollte nun dieser Entwicklung Tribut.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> behauptete letztlich ein Plus von 0,12 Prozent auf 3466,85 Punkte. Für den Monat Juli steht allerdings ein Verlust von 0,2 Prozent zu Buche. Der französische Cac 40 <FR0003500008> rückte am Mittwoch um 0,14 Prozent auf 5518,90 Punkte vor. Dagegen sank der britische FTSE 100 <GB0001383545> um 0,78 Prozent auf 7586,78 Zähler. Ihn bremste auch die Pfund-Stabilisierung nach der jüngsten Talfahrt - eine schwache Währung begünstigt tendenziell die Exportwirtschaft eines Landes.

Unternehmensseitig dominierte eine Flut von Geschäftszahlen das Marktgeschehen. Im EuroStoxx 50 zählte der Bau- und Dienstleistungskonzern Vinci <FR0000125486> mit einem Kursplus von über dreieinhalb Prozent zu den größten Gewinnern, nachdem er im ersten Halbjahr die Analystenerwartungen übertroffen hatte. Davon profitierte auch der Branchenindex, der mit einem Anstieg von 0,8 Prozent im marktbreiten Stoxx Europe 600 ganz vorn lag. Ein moderates Minus beim Baustoffkonzern LafargeHolcim <CH0012214059>, dessen Quartalsresultate nicht vollständig überzeugten, fielen dem gegenüber kaum ins Gewicht.

Dass der Subindex der Reise- und Freizeitindustrie über ein halbes Prozent gewann, verdankte er maßgeblich Air France-KLM <FR0000031122>: Dass die Fluggesellschaft nach einem schwachen Jahresstart im zweiten Quartal wieder zulegte, bescherte den Aktien ein sattes Plus von fast achteinhalb Prozent. Billigkonkurrent Ryanair <IE00BYTBXV33> schaffte in London einen Kursanstieg von mehr als zwei Prozent. Bei den Iren stehen wegen des Flugverbots für Boeings <US0970231058> Mittelstreckenjet 737 Max hunderte Stellen auf der Kippe. Als weiterer Grund gilt die Unsicherheit durch den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU, der auf die Nachfrage drückt.

Positiv stach auch der Brillenkonzern EssilorLuxottica <FR0000121667> heraus: Nachdem er einen Umsatzanstieg und Fortschritte bei der geplanten Mehrheitsübernahme des niederländischen Optik-Einzelhändlers GrandVision berichtet hatte, verteuerten sich die Anteilsscheine um fast dreieinhalb Prozent. Beim Flugzeugbauer Airbus <NL0000235190> reichte es trotz unerwartet guter Umsatz- und Gewinnkennziffern nur für einen bescheidenen Kursanstieg.

Die jüngsten Nachrichten aus der Finanzbranche stießen auf ein unterschiedliches Echo. Credit-Suisse-Titel <CH0012138530> verteuerten sich als bester Wert in Zürich um knapp zweieinhalb Prozent, nachdem die Bank mit ihrem Quartalsgewinn klar positiv überrascht hatte. Ähnliches galt für den französischen Konkurrenten BNP Paribas <FR0000131104>, was die Anleger mit einem Kursplus von über anderthalb Prozent honorierten.

Beim Versicherer Swiss Re stand ein Kursgewinn von 1,3 Prozent zu Buche. Nach dem schwachen Jahresauftakt hatten Analysten im zweiten Quartal mit einem deutlich stärkeren Gewinneinbruch gerechnet. Dagegen verloren die Papiere der spanischen BBVA <ES0113211835> trotz guter Zahlen mehr als ein Prozent. Bei der britischen Lloyds <GB0008706128> sorgte ein deutlicher Gewinnrückgang für einen Kursabschlag von über drei Prozent.

Im Autosektor überzeugte der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler <NL0010877643> vor allem mit rund laufenden Geschäfte auf dem amerikanischen Kontinent. Die Aktien gewannen in Mailand knapp drei Prozent. Dagegen sackten Aston Martin <GB00BFXZC448> in London um rund zwölf Prozent ab. Das Unternehmen rutschte wegen niedrigerer Preise für seine Luxussportwagen und wegen höherer Ausgaben in den ersten sechs Monaten tief in die roten Zahlen, obwohl die Zahl der verkauften Fahrzeuge anzog./gl/zb