PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Schwache Konjunkturerwartungen für die Eurozone haben am Freitag die Kurse an Europas Börsen belastet. Der EuroStoxx 50 verlor 0,44 Prozent auf 3602,41 Punkte, womit der Leitindex für die Eurozone auf Wochensicht auf der Stelle trat. Vor zwei Wochen war der Index auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr geklettert, seitdem stagniert er unterhalb von 3650 Zählern.

Der französische Cac 40 büßte am Freitag 0,56 Prozent auf 5559,57 Punkte ein. Der Londoner FTSE 100 verlor 0,30 Prozent auf 6695,07 Zähler.

Die starken Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie belasten die Wirtschaft im Euroraum spürbar: Der vom Institut IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex ging im Januar noch etwas mehr zurück als von Volkswirten erwartet. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Stimmungsindikator liegt merklich unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die entsprechende Umfrage für Großbritannien brach sogar auf den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres ein.

Die wirtschaftlichen Perspektiven in der Eurozone blieben "getrübt", sagte Volkswirt Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba. Erst mit nachhaltigen Impferfolgen und den damit einhergehenden Lockerungen könne die Wirtschaft insgesamt wieder auf Expansionskurs gehen. Am Freitag wurde bekannt, dass der Pharmakonzern Astrazeneca zunächst weniger Corona-Impfstoff an die EU liefern wird als geplant.

Aus Branchensicht gab es am Freitag fast nur Verlierer am europäischen Aktienmarkt. Am härtesten traf es die von Lockdown-Maßnahmen besonders betroffenen Aktien der Reise- und Freizeitbranche: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 sackte um 2,5 Prozent ab. Aktien des Reiseveranstalters Tui stürzten in London gar um fast 17 Prozent ab, nachdem sie sich in den vergangenen anderthalb Wochen schrittweise von dem vorangegangenen Einbruch erholt hatten. Die Indizes der konjunktursensiblen Öl- und Rohstoffkonzerne fielen ebenfalls deutlich. Leicht im Plus und damit an der Spitze des Sektortableaus schloss der Gesundheitssektor.

Airbus-Aktien verloren 0,6 Prozent und weiteten damit den Verlust vom Vortag aus. Der Flugzeugbauer will die Produktion von Mittelstreckenjets wegen der Verschärfung der Corona-Krise in diesem Jahr doch nicht so stark hochfahren wie zunächst geplant.

Bei den Aktien von Remy Cointreau war das Glas aus Anlegersicht am Freitag eher halbleer als halbvoll. Zwar hat der Hersteller von Marken wie Remy Martin und Metaxa den Umsatz im vergangenen Quartal deutlich erhöht. Der Aktienkurs stieg an der Pariser Börse zunächst auch um 2,6 Prozent, schloss aber mit 0,3 Prozent im Minus./bek/men