FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt halten sich vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen großer Notenbanken weiterhin zurück. Auch die Bilanzsaison der Unternehmen brachte mit Blick auf den Gesamtmarkt kaum frische Impulse. Hier gab es positive wie negative Überraschungen. Nach zwei Tagen mit Gewinnen zeigte sich der Dax <DE0008469008> am Mittwochmorgen folglich äußerst träge. Zuletzt verlor der deutsche Leitindex 0,10 Prozent auf 12 418,17 Punkte. Damit rang das Börsenbarometer weiterhin mit dem Widerstand um die Marke von 12 400 Punkten - ein Bereich der sich jüngst immer wieder als zu hohe Hürde erweisen hatte.

Große Kursbewegungen waren auch beim MDax <DE0008467416> nicht zu beobachten, der Index der mittelgroßen Unternehmenswerte trat zuletzt mit minus 0,06 Prozent auf 26 044,75 Zähler nahezu auf der Stelle. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> lag hauchdünn im Plus.

"Viele Akteure halten sich vor den Sitzungen der Notenbanken in den USA und der Eurozone in den kommenden beiden Wochen zurück", schrieb Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar.

Nach den jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell und anderen Fed-Mitgliedern gilt eine Zinssenkung Ende Juli am Markt zwar als ausgemacht, fraglich bleibt aber, ob und inwieweit die US-Notenbanker nachlegen werden. Auch die Europäische Zentralbank unterstrich bereits ihre Handlungsbereitschaft.

Bis die Anleger auf die Frage der weiteren Geldpolitik Antworten erhalten, dominiert vorerst weiter die anlaufende Bilanzsaison das Börsengeschehen.

Nach dem Kursrutsch bei US-Halbleiterwerten lag das Augenmerk der Investoren zur Wochenmitte europaweit auf dem Technologiesektor. Enttäuschenden Gewinnen beim schwedischen Telekomausrüster Ericsson standen eine Bestätigung der Jahresziele des niederländischen Halbleiterausrüsters ASML <NL0010273215> sowie eine positive Überraschung bei Dialog Semiconductor <GB0059822006> gegenüber.

Der Chiphersteller hatte im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert und die eigenen Prognosen leicht übertroffen. "Wenn man berücksichtigt, dass das Unternehmen noch immer Apple mit Halbleitern beliefert, ist das eine gute Indikation für die Smartphone-Produktion", schrieb Analyst Mitch Steves von der Bank RBC. Auch die Anleger zeigten sich erfreut: Dialog-Papiere kletterten an der MDax-Spitze auf ein neues Zwischenhoch bei 38,65 Euro, zuletzt betrug das Plus noch mehr als drei Prozent.

Hierzulande häufen sich unterdessen jedoch auch die Gewinnwarnungen weiter. So kappte der Chemikalienhändler Brenntag <DE000A1DAHH0> nach einer spürbaren Abschwächung der Nachfrage im Juni seine Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr. Analysten verwiesen allerdings auf überraschend starke Zahlen zum zweiten Quartal und rieten, eine Kursschwäche zum Einstieg zu nutzen. Die Gewinnwarnung habe nicht sonderlich überrascht, hieß es. Die vorbörslich noch deutlich schwächer gehandelten Papiere drehten zuletzt moderat ins Plus.

Die Salzgitter-Papiere gaben nach der Streichung einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank am SDax-Ende mehr als drei Prozent nach. Nach einem starken ersten Quartal rechnet Analyst Bastian Synagowitz für den Stahlkocher mit einem schwachen zweiten Vierteljahr. In diesen Sog gerieten auch andere Branchenvertreter. Papiere des Stahlhändlers Klöckner etwa verloren fast drei Prozent./tav/mis