FRANKFURT (dpa-AFX) - Belastet von Konjunktursorgen und vor den geldpolitischen Signalen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstagnachmittag tendiert der deutsche Aktienmarkt weiter nach unten. Der Dax verlor zunächst rund ein Prozent und erreichte den tiefsten Stand seit Ende Juli. Danach machte das Börsenbarometer aber rund die Hälfte der Kursverluste gut und notierte zuletzt noch 0,43 Prozent tiefer bei 15 546,36 Punkten. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsenwerte büßte 0,07 Prozent auf 35 919,87 Punkte ein. Der EuroStoxx 50 gab um rund 0,5 Prozent nach.

Im Fokus steht vor allem das Pandemie-Programm (Pepp) der EZB. Auf der Pressekonferenz von Präsidentin Christine Lagarde geht es um mögliche Hinweise über den Fortgang des Anleihe-Kaufprogramms, das ein Volumen von 1,85 Billionen Euro hat und gemäß bisherigem Stand noch bis mindestens Ende März 2022 laufen soll. Schließlich hat die Inflation in der Eurozone angezogen und auch die Wirtschaft erholt sich von der Pandemie. Eine grundsätzliche Entscheidung wird allerdings noch nicht erwartet.

Am Vorabend hatte die US-Notenbank in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) eine Abschwächung der Wirtschaftsdynamik konstatiert. Auch in den USA steht eine Reduzierung der Fed-Anleihekäufe noch in diesem Jahr im Raum.

"Die Anzeichen mehren sich, dass die Marktteilnehmer die konjunkturelle Gesamtsituation falsch eingeschätzt haben", stellte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect fest. Vor der EZB-Ratssitzung dürfte kaum ein Anleger größere Risiken eingehen wollen. "Die Notenbanken stehen derzeit in einer Ecke, eingerahmt von zuletzt sichtbaren Preissteigerungen und nachlassender Konjunktur. Somit ist ein extrem behutsames Vorgehen bei der zukünftigen Geldpolitik sowohl in Europa als auch den USA angesagt", bemerkte Lipkow.

Die Aktien von Merck KGaA setzten sich mit einem Kursplus von 1,3 Prozent an die Dax-Spitze und nähern sich damit wieder dem jüngsten Rekordhoch. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern setzt sich unter seiner neuen Chefin Belen Garijo ehrgeizige Wachstumsziele. Der Umsatz soll bis 2025 auf etwa 25 Milliarden Euro steigen, dies entspreche einer durchschnittlichen organischen Wachstumsrate von mehr als 6 Prozent pro Jahr. Hierzu will Merck künftig mehr investieren und kalkuliert für Zukäufe mit einem Betrag im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich ab Ende 2022. Das neue Umsatzziel übertreffe die aktuelle Marktschätzung, kommentierte Analyst Richard Vosser von JPMorgan. Seine bisherige Erlösprognose liege sogar 13 Prozent unter dem neuen Merck-Ziel für 2025.

Die Anteilsscheine von Gerresheimer reagierten mit einem Minus von 0,8 Prozent auf die Nachricht, dass der Verpackungshersteller den Vertrag seines Finanzvorstands Bernd Metzner vorzeitig um fünf Jahre verlängerte.

Die Aktien von Henkel und Beiersdorf entwickelten sich in Reaktion auf Analystenstudien gegenläufig. Die Henkel-Anteilsscheine verloren 1,8 Prozent und bewegen sich damit auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2020. Dagegen stiegen die Beiersdorf-Titel um 2,1 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Henkel-Papiere von "Buy" auf "Neutral" ab. Die Beiersdorf-Titel stufte Goldman hingegen von "Neutral" auf "Buy" hoch./edh/men