FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax <DE0008469008> hat am Dienstag ungeachtet der Coronavirus-Krise einen weiteren Schritt in Richtung Rekordhoch unternommen. Der Leitindex kletterte nach einer Handelsstunde um 0,62 Prozent auf 13 577,70 Punkte, büßte damit aber schon wieder einen Teil seiner anfänglichen Gewinne ein. Am Morgen hatte er noch locker die Marke von 13 600 Punkten passiert und war in der Spitze bis auf 13 638 Zähler gestiegen. Zu den im Januar erreichten Rekordmarke bei 13 640 Punkten fehlten ihm damit nur noch zwei Zähler.

Die Angst vor einer virenbedingten Wachstumsdelle in China hatte den Dax vor einigen Tagen noch kurz unter die Marke von 13 000 Zählern gedrückt, nun steht der Leitindex wieder vor einem neuen Rekord. Laut Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel setzen die Investoren vor allem auf eine gut laufende Berichtssaison der Unternehmen und die finanzielle Unterstützung durch die chinesische Zentralbank.

Die Furcht vor den Folgen der Coronavirus-Epidemie in China scheint damit verflogen, Investoren geben sich in diesem Punkt weltweit zunehmend sorglos. In New York ging die Rekordrally bei einigen Indizes weiter und auch in Festlandchina und Hong Kong ging es am Dienstag bergauf.

Dem Dax einen Tick voraus waren die deutschen Indizes in der zweiten Börsenreihe. Sowohl der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen Werten als auch der Kleinwerte-Index SDax <DE0009653386> konnten am Dienstag neue Bestmarken setzen. Der MDax stand im Hoch erstmals bei 29 048 Punkten, zuletzt gewann er noch 0,66 Prozent auf 28 972,54 Zähler. Von Rekordsphären kann der EuroStoxx <EU0009658145> derweil nur träumen. Am Dienstag legte er ein halbes Prozent zu.

Auf der Unternehmensseite standen vor allem die Papiere der Deutschen Telekom <DE0005557508> nachrichtlich im Mittelpunkt. Laut Medienberichten dürfte die geplante Fusion von T-Mobile US <US8725901040> mit dem kleineren Rivalen Sprint <US8520611000> den wichtigen Kartellrechtsprozess in den USA überstehen. Eine lange Hängepartie würde dabei zu Ende gehen. Das Gericht habe die Parteien informiert, dass Richter Marrero noch am Dienstag eine Entscheidung veröffentlichen wolle, teilte die Telekom mit. "Wir bleiben weiter zuversichtlich, dass der Richter zugunsten der Transaktion entscheiden wird", betonte das Unternehmen. Die T-Aktien rückten an der Dax-Spitze um 4 Prozent vor.

Auch Metro <DE000BFB0019> stand wegen der lange unsicheren Zukunft eines Tochterunternehmen im Fokus, die Aktien gewannen im MDax marktkonforme 0,7 Prozent. Der Handelskonzern steht vor der Einigung auf einen Verkauf der Supermarkttochter Real für eine Milliarde Euro. Börsianer sprachen nach dem jüngsten Rutsch auf ein Tief seit Ende 2018 von einer guten Nachricht. Einem Händler zufolge geht damit ein Prozess zu Ende, der länger als ursprünglich erwartet dauerte.

Bei Daimler <DE0007100000> konnten sich die Anleger nicht für eine klare Richtung entscheiden. Eine enttäuschende Dividende hat die Anleger am Dienstag nur zeitweise kalt gelassen, weil es auch positive Nachrichten zur Barmittelentwicklung gab. Letztlich sank die Aktie zuletzt aber wieder um ein halbes Prozent. Sektorweit war die Stimmung gut, VW <DE0007664039> und BMW <DE0005190003> gehörten mit bis zu 1,1 Prozent zu den Gewinnern.

Auf der Agenda standen ansonsten am Dienstag noch Zahlen von Nebenwerten wie Grenke <DE000A161N30> oder Delivery Hero <DE000A2E4K43>. Aus diesem Kreis waren vor allem Grenke im MDax mit einem Anstieg um 4 Prozent positiv auffällig. Der IT-Vermieter und Finanzdienstleister hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr Gewinn gemacht und überzeugte mit seinem Wachstum im Neugeschäft.

Für Delivery Hero dagegen ging es im Index mittelgroßer Werte um ein halbes Prozent bergab. Auf kritische Stimmen stieß der Essenslieferdienst mit dem für 2020 in Aussicht gestellten operativen Verlust, der laut RBC-Analystin Sherri Malek doppelt so hoch ausfiel wie am Markt gedacht. Händler rechnen nun mit deutlich nachgebenden Konsensschätzungen./tih/jha/