FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach den Gewinnen der Vorwoche scheint sich der deutsche Aktienmarkt am Montag eine Auszeit zu gönnen. Der Dax notierte am Vormittag knappe 0,09 Prozent höher bei 15 621,61 Punkten. Vergangene Woche hatte der deutsche Leitindex um rund ein Prozent zugelegt. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte sank am Montag hingegen um 0,27 Prozent auf 34 377,40 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone büßte rund 0,1 Prozent ein.

Die positive Stimmung von der Wall Street komme hierzulande kaum an, monierte Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners. "Dax & Co profitieren aktuell so gut wie gar nicht von den neuen Allzeithochs auf der anderen Seite des Atlantiks. Die US-Wirtschaft hat sich deutlich schneller von Covid-19 erholt als die Wirtschaft der Eurozone. Und das wirkt sich natürlich unmittelbar auf die Zuversicht und die Kaufbereitschaft der Anleger aus", betonte Altmann.

Im Verlauf der neuen Woche stehen einige wichtige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, wie die Inflationsstatistiken für Europa, der ISM-Index in den USA, die Einkaufsmanagerindizes sowie der US-Arbeitsmarktbericht. "

"Inflationsseitig ist noch keine Entwarnung zu geben, auch wenn sich jüngst die Rahmenbedingungen nicht weiter zugespitzt haben", betonte Helaba-Experte Ralf Umlauf. In der Eurozone tendierten die Inflationserwartungen de facto seit April seitwärts. Lieferengpässe und die Nachfrageerholung seien neben den anhaltend hohen Rohstoffpreisen aber weiterhin Inflationstreiber.

Die Volkswagen-Vorzugsaktien stiegen um 0,4 Prozent. Nach der Konzern-Tochter Audi nannte nun auch die Kernmarke VW einen konkreten Zeitrahmen für den endgültigen Abschied vom Verbrennungsmotor. "In Europa steigen wir zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus", sagte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer dem "Münchner Merkur". In den USA und China werde der Ausstieg etwas später erfolgen, in Südamerika und Afrika werde es noch ein gutes Stück länger dauern.

Die Aktien von Tui litten unter der raschen Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Corona-Virus und sackten um 2,7 Prozent ab. Zusätzlich belastete ein Pressebericht, wonach die Bundesregierung wegen der wieder steigenden Corona-Zahlen in Großbritannien britische Touristen aus der EU fernhalten wolle. Wie die Zeitung "The Times" berichtete, will Deutschland keine britischen Reisenden aus Großbritiannien in die EU lassen, unabhängig davon, ob sie geimpft wurden oder nicht. Die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport fielen um mehr als 2 Prozent, die der Lufthansa um 0,6 Prozent.

Die Aktien von Vonovia und Deutsche Wohnen reagierten bislang kaum auf die Nachricht, dass es in Berlin voraussichtlich zu einer Volksbefragung über die Enteignung großer Immobilienunternehmen kommen wird. Die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" sollte mit den bisher geprüften Unterschriften das notwendige Quorum erreicht haben, teilte Landeswahlleiterin Petra Michaelis mit. Das endgültige Ergebnis werde Anfang Juli bekannt gegeben. Bis zu einer möglichen Enteignung sei es noch ein langer Weg, relativierte ein Händler am Morgen./edh/mis