FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Donnerstag nach seiner fulminanten Erholungsrally tags zuvor ein Stück weit zurückgefallen. Auch wegen des mit Spannung erwarteten Außenministertreffens der Ukraine und Russlands in der Türkei sowie des anstehenden Zinsentscheids der Europäischen Zentralbank (EZB) hielten sich die Anleger erst einmal zurück.

Nach zeitweise deutlicheren Abschlägen verlor der deutsche Leitindex über eine Stunde nach Handelsbeginn noch 0,89 Prozent auf 13 725,36 Punkte - zur Wochenmitte hatte er knapp acht Prozent höher geschlossen. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen trat zuletzt auf der Stelle. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,08 Prozent auf 3725,25 Zähler.

Angesichts der bestehenden Risiken bleibe die Rally anfällig für Rückschläge, schrieben die Experten der niederländischen Bank ING. Laut Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets wird es bis zu einer belastbaren Bodenbildung am Aktienmarkt noch mindestens zwei bis drei Wochen dauern. Mit Blick auf das Außenministertreffen der Kriegsparteien und die EZB seien bisher "lediglich Vorschusslorbeeren verteilt" worden.

Erstmals seit Kriegsausbruch vor zwei Wochen haben sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba in der Türkei getroffen. Die beiden Politiker saßen sich in Antalya am Donnerstagmorgen in einem Saal im Beisein des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoglu gegenüber, wie auf einem Foto des russischen Außenministeriums zu sehen war.

Die Gespräche sollten dazu dienen, die russische Aggression gegen die Ukraine zu beenden, teilte das Außenministerin in Kiew. Bei der Unterredung sollen nach Angaben aus Kiew Möglichkeiten ausgelotet werden, wie der Krieg in der Ukraine beendet werden kann.

Abseits des Krieges rückt der EZB-Zinsentscheid in den Blick. Eigentlich schienen die Währungshüter bereit, bei ihrer heutigen Sitzung den Ausstieg aus der seit Jahren ultralockeren Geldpolitik einzuläuten. Doch der russische Krieg gegen die Ukraine birgt neue Risiken für die Wirtschaft, die sich gerade von der Corona-Pandemie erholt. Das erschwert es der EZB, ihre Anleihenkäufe zurückzufahren.

Außerdem ging die Berichtssaison in Deutschland weiter. Im MDax eroberte der Düngemittel und Salzkonzern K+S dank eines Kursanstiegs um über fünfeinhalb Prozent den Spitzenplatz. JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi sah die endgültigen Jahreszahlen und den Ausblick zwar im Rahmen vorheriger Unternehmensaussagen. Sein Kollege Markus Mayer von der Baader Bank hob aber hervor, die vorgeschlagene Dividende und der bereinigte Barmittelzufluss (Free Cashflow) fielen etwas besser aus als erwartet.

Derweil sackten die Aktien von Hannover Rück um 2,7 Prozent ab. Der Rückversicherer will nach einem Gewinnsprung im zweiten Corona-Jahr die Dividende kräftig auf insgesamt 5,75 Euro je Aktie anheben. Die darin enthaltene Sonderdividende falle aber niedriger als erhofft aus, monierte das Analysehaus Jefferies.

Die Anteilsscheine von Hugo Boss büßten fast viereinhalb Prozent ein, obwohl der Modekonzern für das vergangene Jahr eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung berichtet hatte. 2022 erwarten die Metzinger zudem ungeachtet der derzeitigen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ein Rekordjahr. Ein Händler sah den Ausblick unter den Erwartungen, räumte aber ein, dieser könnte sich als konservativ erweisen.

Bei Compugroup musste die Anteilseigner trotz guter Jahreszahlen einen Kursrückgang von knapp zwei Prozent verkraften. Der auf Arztpraxen und Krankenhäuser spezialisierte Softwareanbieter berichtete dank Zukäufen ein kräftiges Wachstum, bestätigte den Ausblick auf 2022 und sieht sich auf einem guten Weg zu seinen mittelfristigen Zielen. LEG -Papiere verbilligten sich nach der Zahlenvorlage des Immobilienkonzerns um 0,8 Prozent.

Abseits der Berichtssaison teilte die Deutsche Bank mit, sie sehe im Zuge des Ukraine-Konflikts kaum Risiken in ihrem Russland-Geschäft. Dennoch verloren die Aktien mit dem negativen Branchentrend über drei Prozent.

Für Bayer -Titel ging es um knapp 0,4 Prozent hoch. Das Unternehmen verkauft den Geschäftsbereich "Environmental Science Professional" (ESP) an den Finanzinvestor Cinven für 2,6 Milliarden US-Dollar. Das Geschäft mit Produkten zur Schädlingsbekämpfung und Unkrautbeseitigung in nicht-landwirtschaftlichen Bereichen hatte schon länger im Schaufenster gestanden./gl/mis