FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt hat sich am Mittwoch in der Hoffnung auf letztlich nur glimpfliche Folgen des Coronavirus fortgesetzt. Der Dax <DE0008469008> übertraf mit 13 729 Zählern seine erst am Vortag erreichte Bestmarke, zuletzt stand der Leitindex 0,67 Prozent höher bei 13 719,70 Punkten.

Der MDax <DE0008467416> stieg am Morgen erstmals über die Marke von 29 200 Punkten. Mit einem Anstieg um 0,25 Prozent auf 29 267,71 Zähler war der Schwung bei den mittelgroßen deutschen Werten aber etwas kleiner. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> lag außerdem mit einem halben Prozent im Plus. Er erreichte über 3840 Punkten ein Hoch seit 2008.

Damit setzten die Anleger weiter auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft von den Folgen des Coronavirus-Ausbruchs in China. Hoffnung bereiten auch die jüngsten Entwicklungen bei der Verbreitung des Virus: Sowohl die Zahl der neuen Opfer als auch die der neu erkrankten Patienten gingen in China den offiziellen Angaben zufolge im Vergleich zum Vortag etwas zurück.

Experte Emmanuel Cau von der britischen Barclays-Bank glaubt daran, dass der Virus kein "Game Changer" für die Aktienmärkte ist. Er rät am Mittwoch in einer Studie dazu, über die kurzfristigen Marktschwankungen hinweg zu schauen und Kursrückgänge zum Kauf zu nutzen. Die Kursentwicklung in den vergangenen Tagen lässt vermuten, dass Anleger genau diese Strategie verfolgen. Wegen der bleibenden Unsicherheiten sei es aber ratsam, sich nach unten abzusichern, ergänzte Cau.

Auf der Gewinnerseite profitierten die Autowerte besonders von der marktbreiten Hoffnung, zumal China für diese der wohl wichtigste Wachstumsmarkt ist. VW <DE0007664039> und BMW <DE0005190003> hoben sich hier mit Anstiegen von bis zu 2,6 Prozent besonders positiv ab. Aber auch Zulieferkonzerne profitierten. Continental <DE0005439004> wurden im Dax mit einem Anstieg um 3,7 Prozent zum Spitzenreiter. Im MDax legten Hella <DE000A13SX22> und Dürr um rund 2 Prozent zu.

In der Gunst der Anleger nach unten rückten die Aktien, die eher in schwächeren Börsenzeiten gefragt sind. Die Verlierer im Dax kamen daher aus den Branchen Versorger, Konsumgüter und Immobilien. Henkel <DE0006048432>, Eon <DE000ENAG999>, RWE <DE0007037129>, Vonovia <DE000A1ML7J1> und Beiersdorf <DE0005200000> verloren maximal ein halbes Prozent.

Die Berichtssaison der Unternehmen machte am Mittwoch unter Nebenwerten Schlagzeilen. Aktien von Jenoptik <DE0006229107> und der Norma Group <DE000A1H8BV3> kletterten an der SDax <DE0009653386>-Spitze nach den vorgelegten Jahreszahlen um 5 und 3,6 Prozent. Jenoptik knüpften an ihre Vortagsrally an und erreichten ein Hoch seit Mitte Dezember.

Bei Jenoptik half es, dass der Technologie- und Rüstungskonzern im abgelaufenen Jahr stärker als erwartet von seinen jüngsten Zukäufen und besser laufenden Geschäften mit der Halbleiterindustrie profitierte. Der Umsatzanstieg übertraf leicht die Erwartungen der Analysten.

Norma bekam 2019 zwar die Schwäche der Autoindustrie deutlich zu spüren. Die Resultate stellten Börsianer und Analysten in ersten Kommentaren zufrieden. Die Aktien schlossen sich dem guten Lauf in der ganzen Automobilbranche an und legten um mehr als drei Prozent zu./tih/jha/