FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Vortagesrutsch am deutschen Aktienmarkt hat sich die Lage am Freitag zunächst beruhigt. Langfristig orientierte Investoren nutzten die tieferen Kurse wieder zum Einstieg, hieß es aus dem Handel. Dank der Schnäppchenjäger legte der deutsche Leitindex Dax am frühen Morgen um 0,54 Prozent auf 12 771,76 Punkte zu.

Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel stieg um 0,74 Prozent auf 27 666,79 Zähler. Auch an Europas Börsen ging es wieder voran, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte zuletzt mit 0,78 Prozent im Plus bei 3217,70 Punkten.

Am Vortag war der Dax mit einem Minus von rund zweieinhalb Prozent deutlich unter die runde Marke von 13 000 Punkten zurückgefallen. Aus Angst vor den steigenden Corona-Zahlen und den wirtschaftlichen Folgen weiterer Einschränkungen hatten sich die Anleger zurückgezogen. Dass an der Wall Street dann aber die Standardwerte ihre anfänglichen Verluste bis zur Schlussglocke fast vollständig aufholten, stützt vor dem Wochenende auch den hiesigen Markt.

Die bisherige Wochenbilanz sieht für den deutschen Leitindex trotz der aktuellen Gewinne allerdings nicht gut aus: Es ergibt sich aktuell ein Minus. Und die Lage bleibt fragil, denn weiterhin prägen Unsicherheitsfaktoren wie die US-Präsidentschaftswahl, der Stillstand der Verhandlungen über ein neues US-Konjunkturprogramm sowie in Europa die Brexit-Hängepartie und natürlich das grassierende Coronavirus das Geschehen.

Auf Unternehmensseite griffen die Anleger vor allem bei zyklischen Werten zu. Nach zuletzt hohen Kursverlusten hauchten derweil Medienberichte über ein mögliches Gebot für die kriselnde Stahlsparte des Thyssenkrupp -Konzerns den Aktien neues Leben ein. An der MDax-Spitze schnellte der Kurs um 16 Prozent nach oben. Das britische Unternehmen Liberty Steel will einem Bericht des "Spiegel" zufolge noch vor dem Wochenende eine Offerte für das gesamte Stammgeschäft des MDax-Konzerns vorlegen. Branchenwettbewerber Salzgitter profitierte mit einem Aufschlag von mehr als einem Prozent, für die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co ging es um mehr als drei Prozent nach oben.

Im Dax standen - im Gegensatz zum Vortag - vor dem Wochenende die 30-Indexmitglieder nahezu ausnahmslos mit Zuwächsen da. Allen voran führten Daimler -Papiere mit einem Kursaufschlag von mehr als vier Prozent. Hier durften sich die Investoren über gute Nachrichten aus Stuttgart freuen: Der Autobauer mit dem Stern hatte am Vorabend auf ein unerwartet starkes drittes Quartal eingestellt. Vor allem im September hatten sich die Geschäfte stark entwickelt, außerdem hatte Daimler hart auf die Kostenbremse getreten. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einer "hervorragenden" Entwicklung.

In diesem Sog ging es auch für Volkswagen und BMW aufwärts. Auch europaweit erholten sich die Autowerte von ihrem jüngsten Rutsch, am Vortag waren sie als eine der von einem möglichen Konjunktureinbruch betroffenen Branchen von den Marktteilnehmern noch mit deutlichen Abschlägen abgestraft worden.

Continental -Papiere profitierten - ebenfalls als einer der größten Dax-Favoriten - mit einem Kursplus von mehr als zwei Prozent von einer Kaufempfehlung der britischen Investmentbank HSBC. Mit seinem auf 120 Euro angehobenen Kursziel traut Analyst Henning Cosman den Papieren der Hannoveraner ein Aufwärtspotenzial von einem Fünftel zu. In den vergangenen Handelstagen hatten die Conti-Papiere eine schwache Entwicklung hinter sich, Anleger hatten nach einem zuvor guten Lauf erst einmal Kasse gemacht.

An der SDax -Spitze stachen unterdessen die Aktien von Zooplus mit einem Aufschlag von fast neun Prozent hervor. Damit waren die Papiere zurück auf dem Niveau von Ende August. Der Tierbedarfshändler kann in der Corona-Krise weiter bessere Geschäfte machen und hatte daher seine Jahresprognose abermals angehoben./tav/jha/