FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Vortages-Kursrutsch tut sich der Dax auch am Donnerstag phasenweise schwer. Die Anleger agieren nervös. Zeitweise rutschte der Leitindex unter die 12 000-Punkte-Marke, unter der er zuletzt Anfang vergangener Woche notiert hatte. Dann drehte er wieder ins Plus und stand zuletzt 0,79 Prozent höher bei 12 189,90 Punkten.

"Zollängste und Corona-Ängste an einem Tag sind für die deutschen Börsianer zu viel", brachten es die Autoren des täglichen Bernecker-Börsenbriefs auf den Punkt. Bereits am Mittwoch hatte der Dax wegen der erneut aufgeflammten Corona-Sorgen und der Gefahr weiterer US-Zölle auf Waren aus Europa um fast dreieinhalb Prozent nachgegeben.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gewann am Donnerstag bisher 0,29 Prozent auf 25 598,39 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,3 Prozent vor.

Im Fokus stehen Bayer nach milliardenschweren Vergleichen in den USA sowie Lufthansa mit der außerordentlichen Hauptversammlung zum Rettungspaket der Airline.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern gab am Vorabend einen milliardenschweren Vergleich zu den rechtlichen Problemen in den USA bekannt. Bayer ließ sich eine Einigung mit zahlreichen US-Klägern mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Dabei geht es vor allem um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat. Analysten erfreute die jüngsten Nachrichten. Michael Leuchten von der UBS sieht Bayer-Aktien nun wieder als investierbare Anlage. Die Titel gewannen am Vormittag gut zwei Prozent.

Bei der Lufthansa entscheiden die Anleger auf der außerordentlichen Hauptversammlung ab 12 Uhr darüber, ob sie den Staat als Anteilseigner einsteigen lassen wollen oder nicht. Damit fest verbunden ist das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das in den Wochen zuvor mühsam zwischen Frankfurt, Berlin und Brüssel ausgehandelt worden ist. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben das Rettungspaket der Bundesregierung inzwischen genehmigt.

Auch Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der sich zuvor lange gegen den Einstieg des Staates zu den Bedingungen stark gemacht hatte, signalisierte mittlerweile Zustimmung zum Rettungspaket. Damit könnte eine Insolvenz der Fluggesellschaft noch vermieden werden. Anleger waren erleichtert. Die seit kurzem im MDax notierten Lufthansa-Papiere schnellten im frühen Handel um 17 Prozent in die Höhe.

Wirecard wurden vom Handel ausgesetzt. Der Konzern beantragte Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Die Papiere des im Bilanzskandal feststeckenden Zahlungsabwicklers wurden zuvor erstmals seit Sommer 2011 wieder zu einstelligem Kurs gehandelt. Seit der abermaligen Verschiebung der Bilanz für 2019 in der Vorwoche und dem Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Milliardenhöhe verloren sie damit gut 90 Prozent./ajx/jha/