FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich am Mittwoch sprunghaft von den jüngsten Kursverlusten erholt. Laut Marktbeobachter Thomas Altmann vom Broker QC Partners "lockt die Aussicht auf eine Stabilisierung jetzt doch einige Schnäppchenjäger in den Markt".

Trotz des anhaltenden Ukraine-Kriegs und weiter steigender Ölpreise zog der deutsche Leitindex über eine Stunde nach Handelsbeginn um vier Prozent auf 13 345,51 Punkte an. Am Vortag hatte er nach einem wechselhaften Verlauf zwar kaum verändert geschlossen, damit aber die vorangegangene Talfahrt erst einmal gestoppt. Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Mittwochvormittag um fast vier Prozent auf 29 291,52 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann knapp 3,8 Prozent auf 3638,22 Punkte.

In Deutschland richteten sich die Blicke zur Wochenmitte auch auf etliche Unternehmenszahlen. Unter anderem berichteten die Dax-Mitglieder Deutsche Post , Adidas , Continental und Brenntag über ihre Geschäftsentwicklung.

Die Adidas-Titel setzten ihre vortags begonnene Erholungsrally fort: Mit einem Kurssprung von gut achteinhalb Prozent belegte der Sportartikelhersteller den ersten Platz im Dax. In dessen Kielwasser verteuerten sich die Aktien von Konkurrent Puma um rund fünfeinhalb Prozent. Adidas will nach einem Gewinnsprung 2021 im laufenden Jahr weiter wachsen. Händler sahen zwar das Schlussquartal etwas unter den Erwartungen, werteten das im aktuellen Umfeld aber als nicht so relevant. Positiv beim Ausblick sei, dass erste Schätzungen für die Auswirkungen der Russland-Sanktionen bereits enthalten seien und die Erwartungen dennoch erfüllt würden, sagte ein Börsianer.

Bei den Titeln der Deutschen Post konnten sich die Aktionäre über ein Plus von fast sieben Prozent freuen. Der Logistikkonzern berichtete für das vergangene Jahr ein Rekordergebnis und schlug zudem eine Dividendenanhebung vor. Das US-Analysehaus Bernstein Research lobte das mit über zwei Milliarden Euro rekordhohe Aktienrückkaufprogramm.

Dass Continental nach zwei schwachen Jahren wieder schwarze Zahlen schrieb, ließ die Anteilsscheine des Autozulieferers und Reifenherstellers um unterdurchschnittliche knapp drei Prozent steigen. Noch geht der Konzern für 2022 von weiter anziehenden Geschäften aus. Das Management warnte allerdings vor möglichen negativen Auswirkungen, sollte die geopolitische Lage sich nicht entspannen oder gar verschlechtern.

Die Papiere von Brenntag verteuerten sich hingegen um rund fünf Prozent. Der Chemikalienhändler berichtete für 2021 sowohl für den Umsatz als auch für den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen einen sprunghaften Anstieg. Zudem soll die Gewinnausschüttung steigen. Sowohl die Zahlen als auch das in Aussicht gestellte weitere Wachstum übertrafen die Erwartungen.

Im Kleinwerte-Index SDax war die Deutsche Pfandbriefbank mit einem Kurssprung von 19 Prozent unangefochtener Spitzenreiter. Der Immobilienfinanzierer übertraf sein Gewinnziel im zweiten Corona-Jahr auch dank einer verbesserten Lage bei Kreditausfällen. Die Analysten von Pareto Research sprachen von einem besser als erwarteten vierten Quartal und lobten außerdem eine deutlich höher als erwartete Dividende.

Für die Aktien von Siltronic ging es nach Vorlage der Jahreszahlen um über sechseinhalb Prozent hoch. Der Waferhersteller schlug nach einem Gewinnsprung eine 50-prozentige Dividendensteigerung vor und will 2022 trotz steigender Kosten profitabler werden.

Der Stahlhändler Klöckner & Co profitierte 2021 von einer deutlichen Nachfrageerholung sowie stark steigenden Preisen. Für das laufende Jahr gaben die Duisburger zwar keinen konkreten Ausblick, sondern stellten lediglich eine weiter anziehende Nachfrage in Aussicht. Dennoch gewannen die Aktien gut dreieinhalb Prozent.

Dagegen wurde Nordex nach Zahlen mit einem Kursverlust von über zwei Prozent heftig abgestraft und rutschte ans SDax-Ende. Beim Windturbinenbauer zehrten gestiegene Kosten für Rohstoffe und Transporte an der Profitabilität, wie überraschend vorgelegte Eckdaten belegten. Gegenüber dem Vorjahr halbierte sich der operative Gewinn (Ebitda) fast. Zuletzt hatte die Nordex-Aktie wie andere Titel aus dem Bereich Erneuerbare Energien noch sichtbar von den Plänen der EU profitiert, die Energieabhängigkeit von Russland angesichts von dessen Krieg gegen die Ukraine zu verringern./gl/jha/