FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt ist zur Wochenmitte vor einem mit Spannung erwarteten Auftritt von US-Notenbankchef Jerome Powell etwas ins Minus abgedriftet. Der Dax <DE0008469008> sank im frühen Handel um 0,25 Prozent auf 12 406,02 Punkte. In der Vorwoche hatte der Leitindex mit 12 656 Punkten noch den höchsten Stand seit August 2018 erreicht. Seither war er wegen eines überraschend starken US-Arbeitsmarktberichts und der Gewinnwarnung von BASF <DE000BASF111> aber bis auf 12 364 Zähler gefallen, bevor er sich ein wenig berappelte.

Der MDax <DE0008467416>, der die Aktien mittelgroßer Unternehmen repräsentiert, verlor am Mittwochmorgen 0,17 Prozent auf 25 778,47 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es um rund 0,1 Prozent abwärts.

Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank sprach von einer gemischten Faktenlage für den Dax: "Auf der einen Seite ist eine leichte Erholung durch eine mögliche Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China spürbar." Zudem hofften viele Marktteilnehmer weiterhin, dass die US-Notenbank Fed Ende Juli die Leitzinsen senken wird. Auf der anderen Seite habe die Quartalsberichtsaison "mit nicht wirklich guten Unternehmensmeldungen begonnen, so Lipkow.

Nachdem die US-Arbeitsmarktdaten die Zinssenkungsfantasien zuletzt deutlich gedämpft hatten, warten die Anleger nun auf den Nachmittag, wenn Fed-Chef Jerome Powell dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses Rede und Antwort zur Geldpolitik steht. Sollte Powell etwas anderes als eine Zinssenkung vorhaben, wäre der Auftritt eine gute Möglichkeit, die Märkte darauf vorzubereiten.

Commerzbank-Devisenexpertin Esther Reichelt glaubt, dass Powell die Unabhängigkeit der Fed gegen den jüngst zunehmenden politischen Gegenwind aus Washington rigoros verteidigen wird. Die Finanzmärkte dürften aber vor allem auf mögliche Zinssignale Powells achten. "Eine Zinssenkung im Juli ist noch immer nahezu vollständig eingepreist. Doch nach dem letzten guten Arbeitsmarktbericht sind sich Marktteilnehmer weniger sicher, ob ein 'richtiger' Zinssenkungszyklus notwendig sein wird", so Reichelt.

Unter den Einzelwerten standen am Morgen die Aktien von Leoni <DE0005408884> mit einem Kursanstieg von 4,2 Prozent im Anlegerfokus. Der in der Krise steckende Autozulieferer will sich von seiner Sparte Kabel und Verbindungslösungen WCS trennen. Dabei werden ein Börsengang und ein teilweiser oder vollständiger Verkauf vorbereitet. Leoni will sich künftig nur noch auf die Entwicklung des zuletzt defizitären Bordnetzbereichs (WSD) konzentrieren.

Die Südzucker-Tochter <DE0007297004> Cropenergies <DE0007297004> profitierte im ersten Geschäftsquartal von einer Erholung der Ethanolpreise und verdiente deutlich mehr. Vorläufige Zahlen hatten die Kurpfälzer bereits im Juni vorgelegt und dabei die Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben angepasst. Die Cropenergies-Papiere gewannen 2,5 Prozent, Südzucker-Titel legten um 0,8 Prozent zu.

Deutz-Aktien <DE0006305006> setzten ihre zuletzt steile Talfahrt fort und waren mit einem Verlust von 5,6 Prozent erneut klares Schlusslicht im SDax <DE0009653386>. Die Privatbank Berenberg hatte die Anteilsscheine des Motorenbauers von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 9,60 auf 7,70 Euro gesenkt. An den beiden Vortagen hatten die Deutz-Titel bereits mehr als 20 Prozent eingebüßt. Auslöser dafür waren Interview-Aussagen von Deutz-Chef Frank Hiller über eine nachlassende Nachfrage beim Motorenbauer./edh/mis