FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt sind die Anleger am Montag in der Defensive geblieben. Positive Daten vom US-Arbeitsmarkt hatten bereits am Freitag für Unsicherheit darüber gesorgt, ob es tatsächlich zu der erhofften deutlichen Zinswende durch die US-Notenbank Fed kommt. Der hiesige Leitindex Dax <DE0008469008> schloss nun 0,20 Prozent tiefer bei 12 543,51 Punkten. Für den Index der mittelgroßen Unternehmen MDax <DE0008467416> ging es um 0,16 Prozent auf 25 887,47 Punkte nach unten.

Hoffnungen auf eine anhaltend ultralockere Geldpolitik der Notenbanken hatten den Dax am Donnerstag noch auf gut 12 656 Punkte befördert. Dies war der höchste Stand seit August letzten Jahres. Nun müssten "die Anleger so langsam aber sicher zur Kenntnis nehmen, dass es stärkere Wirtschaftsdaten und üppige Geldgeschenke der Zentralbanken gleichzeitig nicht geben wird", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets.

Zudem bleibt die Lage in Nahost angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran heikel und auch die Handelsstreitigkeiten zwischen Japan und Südkorea hatten jüngst zugenommen. Nicht zuletzt würden die Märkte auch auf Fortschritte im US-chinesischen Zollstreit warten, wie Marktexperte Edward Moya vom Devisenhändler Oanda in einem Kommentar schrieb. Wenn es hierzu nicht bald ein Treffen in Washington oder Peking gebe, könne das zu Nervosität führen, mit der Befürchtung, dass ein endgültiger Deal erst aufs nächste Jahr verschoben wird. Vor der Berichtssaison könnte sich der Markt nun schwer tun.

Auf Unternehmensseite hatten Pläne der Deutschen Bank <DE0005140008> über einen Radikalumbau die Aktie stark zum Schwanken gebracht. Der Konzern will bis 2022 jede fünfte Stelle streichen. Insgesamt werde der Umbau bis Ende 2022 voraussichtlich mehr als sieben Milliarden Euro kosten. Eine Kapitalerhöhung soll es nicht geben, allerdings sollen die Aktionäre für die Jahre 2019 und 2020 auf eine Dividende verzichten. An der Börse reagierten die Deutsche-Bank-Aktien mit einer Berg- und Talfahrt auf die Neuigkeiten. Zum Handelsschluss lagen die Papiere mit einem Minus von mehr als 5 Prozent klar am Dax-Ende.

Im MDax verloren Fuchs-Petrolub-Papiere <DE0005790430> gut 4 Prozent und markierten damit das Schlusslicht im Index. Der Schmierstoffhersteller hatte seine Jahresziele wegen der schlechten Wirtschaftslage in der Autoindustrie einkassiert. Neue Ziele soll es erst mit den Halbjahreszahlen am 1. August geben.

Ebenfalls weit hinten im MDax landeten die Aktien von Delivery Hero <DE000A2E4K43> mit einem Abschlag von rund 2 Prozent. Kurz vor dem Wochenende war bekannt geworden, dass die britischen Wettbewerbshüter den Einstieg des Online-Riesen Amazon <US0231351067> bei dem Essenslieferanten kritisch beäugen. Bis zum Ende der Untersuchungen ist der Deal blockiert.

Im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> brachen Washtec-Aktien <DE0007507501> um knapp 12 Prozent ein, nachdem der Hersteller von Autowaschanlagen seine Ziele gesenkt hatte.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> schloss 0,12 Prozent tiefer bei 3523,76 Punkten. Der Pariser Cac 40 <FR0003500008> und der Londoner FTSE 100 <GB0001383545> gaben ebenfalls leicht nach.

Am Rentenmarkt legte die Umlaufrendite von minus 0,39 Prozent auf minus 0,37 Prozent zu. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,11 Prozent auf 145,09 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> stieg um 0,02 Prozent auf 173,40 Punkte. Der Kurs des Euro <EU0009652759> gab nach. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1215 (Freitag: 1,1260) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8917 (0,8881) Euro./la/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---