FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag die Stimmung etwas aufgehellt. Nach dem durchwachsenen Handelstag am Mittwoch touchierte der Leitindex Dax erstmals wieder seit knapp drei Wochen die Marke von 13 100 Punkten. Allerdings bröckelten die Gewinne kurz vor Handelsschluss ab, so dass am Ende ein Plus von 0,88 Prozent auf 13 042,21 Punkte übrig blieb.

Auslöser war, dass in den USA der Dow Jones Industrial nach einem freundlichen Start zum Handelsschluss in Europa kurzzeitig in die Verlustzone drehte.

Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel beendete den Handel mit plus 0,79 Prozent auf 27 835,11 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,69 Prozent auf 3255,76 Zähler. Auch in Paris und London legten die Leitbörsen zu. In den USA stand am frühen Abend für das Börsenbarometer Dow zuletzt wieder ein kleines Plus von 0,2 Prozent zu Buche und auch die Nasdaq-Indizes legten moderat zu.

"Egal wer die Präsidentschaftswahl in den USA gewinnt, neue fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen für die US-Wirtschaft werden kommen, so der Impuls hinter dem Engagement der Anleger", fasste Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets die Marktstimmung zusammen. Einen kleinen Dämpfer hatten die Anleger diesseits und jenseits des Atlantiks allerdings kurz vor dem Börsenschluss in Europa bekommen. Da hatte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, vereinzelten Corona-Hilfsmaßnahmen, etwa für Fluggesellschaften, eine Absage erteilt. Ohne ein umfassendes Hilfspaket werde es das nicht geben, hatte sie gesagt. Damit reagierte sie auf die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump, mit mehreren kleineren Maßnahmen, etwa für die angeschlagene US-Luftfahrtindustrie, Soforthilfe leisten zu wollen.

Unter den Einzelwerten im Dax gewannen die Aktien des Baustoffherstellers HeidelbergCement an der Index-Spitze 3,8 Prozent. Innerhalb der Zementbranche dürften die Heidelberger voraussichtlich am stärksten von den mittlerweile aufgehellten Markttrends profitieren, erwartet Analyst Ephrem Ravi von der US-Bank Citigroup. Vor der in Kürze startenden Berichtssaison setzte er die Papiere daher auf eine Liste von Unternehmen, die mit ihren Zahlen positiv überraschen könnten.

Im MDax führten positive Analystenkommentare ebenfalls zu Kursausschlägen: So zogen die Anteilscheine von ProSiebenSat.1 nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs um 3,7 Prozent an. Die Trends im europäischen Werbegeschäft dürften sich im dritten Quartal deutlich verbessert haben, schrieb Analystin Lisa Yang.

Eine optimistischere Einschätzung der britischen Großbank Barclays half zudem den Papieren von Nemetschek auf die Sprünge. Dort stand letztlich ein Plus von rund sieben Prozent zu Buche. Der neue Chef des Bausoftware-Spezialisten gehe die wichtigsten Bedenken der Anleger engagiert an, nämlich die Unternehmensstruktur und den Wechsel zu einem Abonnement-Modell, schrieb Analyst Sven Merkt. Daraus dürften Effizienzsteigerungen und eine höhere Umsatzqualität mit entsprechenden Gewinnbeiträgen folgen.

Im SDax sorgten derweil die jüngsten Geschäftszahlen von Südzucker für lange Gesichter: Die Aktien sackten als klares Schusslicht in diesem Nebenwerteindex um fast 12 Prozent ab. Nach wie vor bereitet das Zuckergeschäft dem Konzern Probleme. Südzucker rechnet im laufenden Geschäftsjahr nun definitiv mit einem Verlust, nachdem bislang noch ein Gewinn für möglich gehalten wurde.

Der Eurokurs sank. Die Gemeinschaftswährung wurde am frühen Abend zu 1,1754 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1765 (Mittwoch: 1,1770) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8500 (0,8496) Euro. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,52 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 145,68 Punkte. Der Bund-Future stieg am Abend um 0,29 Prozent auf 174,53 Zähler./ck/he

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -