FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit satten Kursgewinnen ist der deutsche Aktienmarkt ins neue Börsenjahr gestartet. Für Auftrieb sorgten am Donnerstag die weitere Lockerung der chinesischen Geldpolitik und die offenbar bald bevorstehende Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen den USA und China. Die Anleger griffen vor allem bei Aktien zu, die im vergangenen Jahr zu den schwächsten Werten gehört hatten.

Der Dax <DE0008469008> schloss mit einem Plus von 1,03 Prozent bei 13 385,93 Punkten und knüpfte damit an das sehr gute Börsenjahr 2019 an, in dem er um mehr als 25 Prozent zugelegt hatte. Der MDax <DE0008467416>, in dem die Aktien der mittelgroßen deutschen Unternehmen vertreten sind, gewann am Donnerstag 1,04 Prozent auf 28 608,30 Punkte.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone stieg im Verlauf auf den höchsten Stand seit April 2015 und gewann letztlich 1,28 Prozent auf 3793,24 Punkte. Auch die Börsen in Paris und London verzeichneten deutliche Gewinne. In den USA lag der Leitindex Dow Jones Industrial <US2605661048> zum europäischen Handelsschluss rund 0,6 Prozent im Plus.

Nach fast zwei Jahren Handelskrieg zwischen China und den USA steht die Unterzeichnung eines "Waffenstillstands" wohl unmittelbar bevor. Der Konflikt der beiden größten Volkswirtschaften wird zwar mit der für den 15. Januar geplanten Unterzeichnung des ersten Teils eines umfassenden Handelsabkommens nicht beendet sein. Aber die "Waffen" - immer neue und höhere Strafzölle - sollten damit zumindest bis auf Weiteres schweigen. Chinas Notenbank will mit geringeren Kapitalanforderungen für Banken bei der Kreditvergabe die zuletzt flaue Wirtschaft des Landes zudem stützen.

"Der Dax startet mit einem kleinen Freudensprung in das neue Börsenjahr und Jahrzehnt", schrieb Jochen Stanzl, Marktanalyst von CMC Markets. "Aber wie schon im vergangenen Jahr sind es auch diesmal nicht die harten Fakten zum Beispiel in Form von besseren Wirtschaftsdaten, die die Aktienkurse beflügeln." Vielmehr seien es erneut Hoffnungen und Erwartungen, diesmal ausgelöst von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in China. Damit lebe die Zuversicht aus 2019 weiter, dass die Handels- und Geldpolitik zukünftig zu besseren konjunkturellen Rahmenbedingungen führen wird.

Europaweit notierten in dem freundlichen Umfeld alle Branchen im Plus. Die größten Gewinne verzeichneten die Banken <EU0009658806>, die oft besonders stark auf konjunkturelle Nachrichten reagieren. Hierzulande stiegen die Aktien der Deutschen Bank <DE0005140008> um mehr als 6 Prozent. Favorit im MDax waren die Anteilscheine des Wettbewerbers Commerzbank <DE000CBK1001>, die um knapp 7 Prozent in die Höhe schnellten.

Gefragt waren zudem einige der großen Kursverlierer des Börsenjahres 2019, zu denen im Dax Wirecard <DE0007472060> gehörten. Die Papiere des Zahlungsdienstleisters sprangen am Donnerstag um 4,6 Prozent an. Investoren hätten offensichtlich am Jahresanfang eine Präferenz für Einzeltitel, "die in ihren Industrien abgestraft wurden", schrieb Analyst Portfolio-Manager Sven Lehmann von HQ Trust.

Auch außerhalb der Dax-Schwergewichte gingen Anleger bei Verliereraktien auf Einkaufstour: So gewannen die Anteilscheine des Autozulieferers Leoni <DE0005408884> im SDax <DE0009653386> 6,3 Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr um fast zwei Drittel eingebrochen waren.

Der Eurokurs <EU0009652759> notierte zuletzt bei 1,1173 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1293 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8934 Euro gekostet.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,23 Prozent am Montag auf minus 0,20 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,13 Prozent auf 143,53 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> rückte um 0,21 Prozent auf 171,22 Punkte vor./edh/he

- Von Eduard Holetic, dpa-AFX -