NEW YORK (dpa-AFX) - Nach kurzer Hoffnung im Handelskrieg zwischen den USA und China ist es am Mittwoch mit der Freude an der Wall Street schon wieder vorbei. Der Dow Jones Industrial <US2605661048> fiel binnen der ersten Handelsstunde auch wegen neuer Konjunktursorgen um 1,66 Prozent auf 25 844,13 Punkte. Damit löschte der weltweit vielbeachtete Leitindex seine Vortagsgewinne wieder mehr als aus.

Angesichts drohender Preissteigerungen vor dem Weihnachtsgeschäft hatte die US-Regierung zwar am Dienstag die Einführung angekündigter Strafzölle verschoben, doch viele Börsianer bleiben nach den Erfahrungen der vergangenen Monate skeptisch. "Wenn man sich anschaut, wie die letzten Gespräche gelaufen sind, dann gibt es wenig Anlass für Optimismus", sagte Analyst Craig Erlam vom britischen Broker Oanda. Letztlich hänge alles davon ab, wann im Handelskrieg die Schmerzgrenzen der beiden Kontrahenten erreicht seien.

Neue Konjunkturängste kamen derweil auch wegen der Situation am Anleihemarkt und frischer Wirtschaftsdaten aus China und Europa auf. Bei US-Renten war eine Situation zu beobachten, die am Markt als Rezessionssignal gilt. Zeitweise war die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen niedriger als jene der zweijährigen Papiere. Eine Konstellation mit niedrigeren Langfrist- als Kurzfristzinsen bezeichnen Fachleute als "inverse Zinskurve".

Im Gleichschritt mit dem Dow ging es vor diesen Hintergründen auch für die übrigen bedeutenden US-Index postwendend wieder bergab. Der marktbreit aufgestellte S&P 500 <US78378X1072> fiel um 1,69 Prozent auf 2876,79 Punkte und der technologieorientierte Nasdaq 100 <US6311011026>-Index verlor 1,89 Prozent auf 7582,40 Zähler.

Bei den Einzeltiteln gab es zur Wochenmitte individuell nur wenig Kursbewegendes. Ölwerte litten mit deutlichen Abschlägen darunter, dass die Ölpreise am Mittwoch ihren Vortagsanstieg wieder revidierten. ExxonMobil <US30231G1022> waren im Dow mit einem Abschlag von 2,5 Prozent unter den Schlusslichtern. Titel der Branchendienstleister Halliburton <US4062161017> und Schlumberger <AN8068571086> fielen im S&P 500 jeweils um gut 5,5 Prozent.

Am breiten Markt sorgten vor allem die Papiere des Kaufhausbetreibers Macy's für Gesprächsstoff. Sie brachen nach Quartalszahlen um 16 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2010 ein. Der Betreiber von mehr als 800 Warenhäusern in den USA kappte das Gewinnziel für das laufende Jahr und verstimmte so branchenweit die Anleger. Beim Wettbewerber JCPenney ging es für die Aktien um 4 Prozent bergab.

Bei Viacom und CBS trieben kritische Analystenkommentare die Anleger nach der am Vortag erfolgten Einigung auf die Fusionsbedingungen in die Flucht. Die meistgehandelten Aktiengattungen der beiden Medienkonzerne sackten jeweils um fast 6 Prozent ab. Das Analysehaus Bernstein hatte CBS wegen der Fusion gleich doppelt abgestuft. Analyst Todd Juenger geht davon aus, dass die Synergien erblassen werden im Vergleich zu den strukturellen Problemen, die die CBS-Aktionäre mit Viacom erbten.

Im Pharmabereich versetzen offenbar laufende Ermittlungen gegen Teva <US8816242098> und Mylan <US6285301072> die Anleger in Unruhe. Die Aktien büßten 5,8 Prozent beziehungsweise 7,2 Prozent ein, nachdem es hieß, ihnen werde vom US-Senator Bernie Sanders und dem US-Abgeordneten Elijah Cummings eine "offensichtlich koordinierte Marktbehinderung" vorgeworfen.

Nach der Schlussglocke veröffentlicht Cisco <US17275R1023> Systems <US17275R1023> Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal, für die Aktien ging es am Mittwoch im Vorfeld davon um 1,7 Prozent bergab. Seit Jahresbeginn waren die Papiere des Ausrüsters der Telekombranche um mehr als 20 Prozent gestiegen./tih/he