NEW YORK (dpa-AFX) - An der Wall Street haben die im Dow Jones Industrial enthaltenen Standardwerte am Mittwoch erst einmal die Favoritenrolle von den zuletzt besonders gefragten Technologiewerten übernommen. Das Kursbarometer der Wall Street stieg im frühen Handel um 0,35 Prozent auf 27 873,92 Punkte, was aber keine Befreiung aus der jüngsten Seitwärtsspanne bedeutete. Seit Tagen schon dümpelt der Dow nahe den 28 000 Punkten lustlos vor sich hin.

Beim technologielastigen Nasdaq 100 machte die Rekordrally zur Wochenmitte vorerst eine Pause, nachdem er am Vortag bis auf 11 421 Punkte gestiegen war. Er blieb aber auf Tuchfühlung zu einer neuen Bestmarke, indem er es zuletzt mit 0,04 Prozent ins Plus schaffte auf 11 403,38 Zähler. Gestützt wurde er unter anderem durch einen Kursanstieg bei Apple . Erstmals kosteten die Papiere des iPhone-Herstellers mehr als 467 Dollar.

Der marktbreite S&P 500 konnte seine am Vortag erreichte Bestmarke mit fast 3397 Punkten am Mittwoch nochmals knapp überbieten. Zuletzt lag er leicht mit 0,17 Prozent im Plus bei 3395,42 Zählern.

Im Tauziehen um ein neues Corona-Konjunkturpaket mit einer Anschlussfinanzierung für die Arbeitslosenhilfe gibt es neuerdings etwas Hoffnung. Die Demokraten seien offenbar nach den Worten ihrer Sprecherin dazu bereit, auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten, kommentierte der Börsenexperten Jochen Stanzl von CMC Markets. Dies helfe der Stimmung an der Wall Street.

Franz-Georg Wenner von Index-Radar rechnet es dem Dow nach dessen jüngster Durststrecke hoch an, dass es bislang im August kaum zu Rücksetzern gekommen war. "Wer investiert ist, rechnet offenbar mit weiter steigenden Kursen und nimmt keine Gewinnmitnahmen vor", so der Experte. Seine Prognose für den Leitindex bleibt daher "vorerst optimistisch".

Als wichtige Stütze für die Aktienkurse in Zeiten steigender Coronavirus-Infektionszahlen und des schwelenden US-chinesischen Handelskonflikts gelten bei Börsianern weiter die Notenbanken mit ihrer Geldflut. Zur Wochenmitte erhoffen sie sich hier mehr Einblick vom Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed, das später veröffentlicht wird. Im Streit mit China hat US-Präsident Donald Trump derweil die für Ende August geplanten Handelsgespräche abgesagt.

Auf Unternehmensseite folgen zur Wochenmitte noch einige Nachzügler der Berichtssaison. Anders als der Konkurrent Kohl's am Vortag überzeugte der Discounter Target seine Anleger mit einem überraschend starken Quartalsbericht, der die Aktien um 12 Prozent nach oben springen ließ. Target hatte den bereinigten Umsatz so stark gesteigert wie noch nie und dabei die Analystenschätzungen weitaus übertroffen.

Zwei zuletzt von Sorgen um ihr Geschäftsumfeld geplagte Branchen gehörten nun allgemein zu den Gewinnern. Zum Einen waren dies die großen Wall-Street-Banken, deren Aktien nach einer mehrtägigen Verlustserie wieder stiegen. Für die Papiere von Goldman Sachs ging es an der Dow-Spitze um 1,6 Prozent hoch und JPMorgan folgten dem um 1,2 Prozent nach oben.

Die eher an der Nasdaq gehandelten Fluggesellschaften waren eine zweite dieses Mal gefragte Branche. Positives gab es hier von Southwest Airlines mit einem verbesserten Cashflow-Ausblick zu vermelden. Die Papiere des Billigfliegers kletterten um 2,5 Prozent nach oben. Bei den Papieren der Wettbewerber fiel die Erholung nach vielen Verlusttagen sogar noch schwungvoller aus: United, American und Delta stiegen um 3,4 bis 5,4 Prozent.

Größere Schlagzeilen kamen ansonsten aus dem Pharmasektor. Ein Kursfeuerwerk mit Gewinnen von fast 70 Prozent auf 52,18 Dollar zündeten die Momenta-Papiere. Der US-Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson will das US-Biotechunternehmen kaufen und bietet dabei 52,50 Dollar je Aktie.

Von Gilead und Biomarin gab es derweil Rückschläge mit Hoffnungsträgern. Bei Gilead beziehungsweise dessen belgischem Partner Galapagos lag dies an einer Absage für eine US-Zulassung des Mittels Filgotinib zur Behandlung rheumatoider Arthritis. Galapagos waren in Europa um 24 Prozent eingebrochen, Gilead folgten dem in New York um vier Prozent nach unten.

Biomarin Pharmaceutical toppten dies aber als Schlusslicht im Nasdaq 100 mit einem Kurseinbruch um ein Drittel. Ein zur Therapie der Bluterkrankheit gedachtes Mittel erhielt hier von der US-Behörde FDA vorerst keine Freigabe./tih/he