NEW YORK (dpa-AFX) - Ungeachtet neuer Rekordzahlen von Corona-Neuinfektionen in den USA hat die Wall Street am Freitag nach einem verhaltenen Start moderat zugelegt. Die technologielastigen Nasdaq-Börsen indes legten nach erreichten Rekordhochs am Vortag eine Pause ein und gaben leicht nach.

Im frühen Handel rückte der US-Leitindex Dow Jones Industrial um 0,23 Prozent auf 25 766,42 Punkte vor und pendelt damit weiterhin innerhalb einer Handelspanne zwischen 25 000 und 26 600 Zählern. Auf Wochensicht zeichnet sich aktuell ein kleiner Verlust von 0,2 Prozent ab.

Der breiter gefasste S&P 500 hielt sich am Freitag mit 0,05 Prozent auf 3153,57 Zähler im Plus. Der Nasdaq 100 verlor zugleich 0,20 Prozent auf 10 733,67 Punkte.

Die ganze Woche bereits beherrscht die rasante Ausbreitung des Virus im Süden und Westen der USA das Geschehen an der New Yorker Börse. Zuletzt erreichte die Zahl der neu Infizierten im Zuge der Lockerung der Corona-Auflagen einen weiteren Höchststand: Binnen 24 Stunden gab es rund 63 200 weitere Fälle. Damit steige auch die Sorge, dass sich die Wirtschaft der Vereinigten Staaten stärker abschwäche, schrieb Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank.

Die Experten der Bank UBS merkten an, dass in den besonders stark betroffenen Bundesstaaten Arizona, Texas, Florida und Kalifornien die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden bereits sinke. "In diesen Staaten mit Ausnahme von Kalifornien nimmt auch die Zahl geöffneter Geschäfte merklich ab", hieß es.

Unter den Einzelwerten standen Boeing im Blick, die nach anfänglichen Verlusten von rund 1,5 Prozent zuletzt leicht zulegten. Boeings Top-Kunde Emirates rechnet wegen der Corona-Krise damit, dass der Auslieferungstermin des modernisierten Großraumjet 777X nochmals verschoben wird. Bislang hatte Boeing geplant, die Maschinen ab Anfang 2021 auszuliefern, nachdem es zuvor schon einmal zu einer Verschiebung wegen technischer Probleme gekommen war.

Ölwerte wie ExxonMobil mit plus 0,8 Prozent und Chevron mit plus 1,4 Prozent zählten nach jüngsten Verlusten nun wieder zu den Gewinnern. Die Internationale Energieagentur (IEA) bekräftigte ihre Prognose einer starken Erholung der Ölnachfrage nach dem Einbruch in der Corona-Krise. Zugleich aber wurde auch gewarnt, denn die jüngste Entwicklungen mit einer hohen Zahl von Neuinfektionen in den USA werfe "einen Schatten auf die Prognose", hieß es.

Einige Technologieaktien schwanken sich zudem in neue Rekordhöhen auf. Neben den Papieren des Online-Handelsgiganten Amazon erreichten auch die Aktien des Graphikprozessoren-Entwicklers Nvidia ein historisches Hoch.

Für Netflix war es an diesem Tag sogar das siebte Rekordhoch in Folge. Zuletzt gewannen die Papiere des Video-Streamingdienstes rund 3 Prozent auf 522,65 US-Dollar. Analyst Heath Terry von der Investmentbank Goldman Sachs hatte zuvor sein "Buy"-Urteil bekräftigt und beließ die Aktie auf der "Conviction Buy List" für besonders aussichtsreiche Werte. Zudem hob er das Kursziel von 540 von 670 Dollar an und ist damit besonders optimistisch. Terry rechnet damit, dass Netflix mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal die Markterwartungen locker übertreffen wird. Mindestens 12,5 Millionen neue Kunden sollte Netflix unter dem Strich hinzugewonnen haben./ck/stk