NEW YORK (dpa-AFX) - Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hat am Dienstag seinen zu Wochenbeginn unterbrochenen Erholungskurs fortgesetzt. Die Aussicht auf einen möglicherweise steiler als bislang erwarteten Zinserhöhungskurs der Notenbank trieb Finanzwerte an. Zudem sorgten erfreuliche Geschäftszahlen des Sportwarenherstellers Nike für gute Laune. Darüber hinaus nahmen die Anleger erleichtert zur Kenntnis, dass die Ölpreise den jüngsten starken Anstieg vorerst nicht fortsetzten.

Der Dow stieg im frühen Handel um 0,83 Prozent auf 34 838,49 Punkte und näherte sich damit wieder der zuletzt Mitte Februar überschrittenen Marke von 35 000 Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,90 Prozent auf 4501,38 Punkte hoch, und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gewann 1,37 Prozent auf 14 572,59 Zähler.

Bereits am Vortag hatte Notenbankchef Jerome Powell angesichts der "viel zu hohen" Inflationsrate die Möglichkeit schnellerer Erhöhungen des Leitzinses ins Spiel gebracht. Die Fed könnte den Leitzins bei den kommenden Sitzungen des Zentralbankrats bei Bedarf auch jeweils um mehr als 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Die Äußerungen Powells hatten jedoch nur kurz Verunsicherung ausgelöst und wurden am Dienstag positiv interpretiert.

"Bei den Aktienanlegern überwiegt weiterhin das Vertrauen in die Fed", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hier gingen alle davon aus, dass die Fed den Leitzins nur so stark erhöhen wird, dass es der Wirtschaft nicht schadet.

Analyst Jeffrey Halley von Broker Oanda aber warnte vor zu viel Sorglosigkeit. Neben den Zinserhöhungen verweist er auf Überlegungen der Fed, auch die durch Corona-Hilfsprogramme angeschwollene Bilanz zu reduzieren, was in der Wirkung etwa einem weiteren Zinsschritt entspräche. Da komme die Frage auf, ob die Wachstumsprognosen der Fed für die Wirtschaft in diesem Umfeld stimmten. Der abrupte Wechsel von einer lockeren zu einer straffen Geldpolitik, während der Ukraine-Krieg eine weitere kostentreibende Inflationswelle über die Welt schicke, erwecke kein Vertrauen. Gleichzeitig sei ein Ende des Krieges nicht erkennbar.

An der Dow-Spitze schnellten die Aktien von Nike um rund fünf Prozent in die Höhe. Der Konzern beschleunigte sein Umsatzwachstum im dritten Geschäftsquartal. Analysten reagierten mit höheren Kurszielen. Expertin Kate McShane von der Bank Goldman Sachs lobte insbesondere das China-Geschäft, das sich gegenüber dem Vorquartal unerwartet stark verbessert habe.

Unter den Finanzwerten zogen die Anteilsscheine von Goldman Sachs um knapp zwei und die von JPMorgan um fast drei Prozent an. Höhere Zinsen würden die Ertragskraft der Großbanken stärken.

Für die in New York gelisteten Papiere des chinesischen Internet-Riesen Alibaba ging es sogar um gut 12 Prozent nach oben, nachdem dieser weitere, milliardenschwere Aktienrückkäufe angekündigt hatte.

Die Anteilsscheine des englischen Fußballclubs Manchester United profitierten mit einem Plus von mehr als ein Prozent auf knapp 14 US-Dollar von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Analyst Connor Murphy sieht deutliches Kurspotenzial bis 18 Dollar. Die im Vergleich zur Branche niedrige Aktienbewertung sei nicht angebracht. Manchester United sei eines der weltweit bekanntesten und wertvollsten Sport-Franchises./la/jha/