NEW YORK (dpa-AFX) - Die Wall Street hat sich nach zwei Handelssitzungen mit Kursverlusten am Dienstag etwas stabilisiert. Die Anleger warten Marktbeobachtern zufolge weiter auf Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern. Zudem richte sich der Blick auf die heute beginnende, zweitägige Sitzung der US-Notenbank Fed.

Der Leitindex Dow Jones Industrial     stieg zuletzt um 0,28 Prozent auf 17 840,55 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index     legte um 0,16 Prozent auf 2087,74 Punkte zu, während der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100     0,10 Prozent auf 4437,31 Punkte gewann.

Zuletzt hatten der Athener Regierungschef Alexis Tsipras und Finanzminister Gianis Varoufakis die Bereitschaft zu weiteren Gesprächen signalisiert, aber weitere Zugeständnisse im Schuldenstreit abgelehnt. Zudem will die Regierung einem Pressebericht zufolge die Ende Juni fälligen Kreditraten an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht wie vereinbart zurückzahlen. Die Zahlung über 1,55 Milliarden Euro solle um sechs Monate verschoben werden, berichtete die "Bild"-Zeitung vorab unter Berufung auf Athener Regierungskreise. Ein griechischer Regierungsvertreter dementierte den Bericht allerdings.

Von der Fed-Sitzung erwarten Experten keine bahnbrechenden Aussagen. Am Mittwoch wird die Notenbank neue Entscheidungen bekannt geben. Die Zinswende dürfte sie noch nicht vollziehen. Allerdings könnte die Fed die Finanzmärkte sachte auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise einstimmen.

Durchwachsene Daten aus der amerikanischen Baubranche gaben den US-Börsen am Dienstag keine klaren Signale: Während die Wohnungsbaubeginne im Mai stark unter Druck geraten waren, hatten die Baugenehmigungen deutlich zugelegt. Letztere ließen aber "auf eine robuste Bautätigkeit in der Zukunft schließen", betonte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba.

Unternehmensseitig dominierten Fusionen und Übernahmen die spärliche Nachrichtenagenda. In der US-Gesundheitsbranche könnte sich das Übernahmekarussell bald weiter drehen. Im Fokus stehen derzeit vor allem Krankenversicherer, in deren Markt die Karten mit der US-Gesundheitsreform neu gemischt wurden. Nach Informationen des in solchen Fällen gewöhnlich gut informierten "Wall Street Journal" (WSJ) zeigt der Branchenprimus UnitedHealth ( UNITEDHEALTH GROUP Aktie) Interesse am Versicherer Aetna ( AETNA Aktie) .

Aetna waren bereits am Vortag auf ein Rekordhoch gesprungen und damit an der Börse etwas mehr als 42 Milliarden Dollar wert. Nun ging es um weitere 3,70 Prozent auf 125,49 US-Dollar nach oben, während sich UnitedHealth um 2,34 Prozent verteuerten. Die Marktkapitalisierung von UnitedHealth lag zuletzt bei rund 115 Milliarden Dollar.

Und noch weitere Deals sind laut WSJ möglich. Bereits zum Wochenauftakt hatte das Blatt berichtet, der zweitgrößte US-Krankenversicherer Anthem ( WELLPOINT Aktie) wolle Cigna ( CIGNA Aktie) übernehmen, die Nummer fünf am Markt. Zuletzt habe Anthem rund 175 Dollar je Cigna-Aktie geboten, womit die Übernahme das Unternehmen mehr als 40 Milliarden Dollar kosten könnte.

Cigna könnte aber auch für UnitedHealth in Frage kommen, falls es mit Aetna nicht klappt, heißt es weiter. Außerdem soll der Gesundheitsdienstleister Humana ( HUMANA Aktie) auf mehreren Einkaufszetteln stehen: An dem Unternehmen könnten wiederum Cigna oder eventuell auch Aetna interessiert sein. Cigna-Aktien fielen nach dem 12-prozentigen Vortagesgewinn um 0,75 Prozent zurück. Anthem, die am Montag um mehr als 2 Prozent zugelegt hatten, gewannen weitere 1,03 Prozent, wogegen es für Humana um 0,77 Prozent nach unten ging.

Auch im Konsumgütersegment schreitet die Konsolidierung voran. Laut "New York Post" will der US-Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty bis zu 12 Milliarden US-Dollar für den deutschen Shampoo-Hersteller Wella bieten. Demnach soll Coty für das Geschäft, das neben Wella auch noch andere Haarpflege-Marken des Wella-Eigentümers Procter & Gamble (P&G) ( PROCTER & GAMBLE Aktie) (P&G) umfasst, den Düsseldorfer Henkel-Konzern ( HENKEL Aktie) ausgestochen haben. Coty-Aktien schnellten um 18,80 Prozent nach oben, während P&G 0,86 Prozent gewannen./gl/men