NEW YORK (dpa-AFX) - Wie gewonnen, so zerronnen: Die US-Börsen haben nach einer kräftigen Erholung zur Wochenmitte am Donnerstag wieder massiv nachgegeben. Für erhöhte Nervosität sorgte die über drei Prozent gestiegene Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Zudem brach die Produktivität in der US-Wirtschaft im ersten Quartal deutlicher ein als befürchtet und sank so stark wie seit 1947 nicht mehr. Dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend stieg, sollte dagegen kaum ins Gewicht fallen, denn im längerfristigen Vergleich bleibt das Niveau der Hilfsanträge weiterhin niedrig.

Der Dow Jones Industrial büßte im frühen Handel 2,87 Prozent auf 33 082,01 Punkte ein, nachdem sich der Wall-Street-Index am Mittwoch um fast 3 Prozent erholt hatte. Die US-Notenbank (Fed) hatte zuvor zwar den Leitzins deutlich hoch gesetzt, zugleich aber der Möglichkeit noch deutlicherer Anhebungen einen Dämpfer versetzt. Zinsschritte von 0,75 Prozentpunkten, die zuvor an den Märkten diskutiert wurden, sind damit unwahrscheinlicher, was nun aber von Experten als zweischneidiges Schwert beurteilt wird.

Möglicherweise habe Fed-Präsident Jerome Powell mit seinem Verzicht auf einen noch kräftigeren Zinsschritt um 75 Basispunkte im Juni ungewollt die Weichen für weitere Turbulenzen an den Märkten gestellt, hieß es etwa unter Verweis auf die Sorgen über die fortgesetzt hohe Inflation und das langsamere Wirtschaftswachstum.

Der S&P 500 verlor zuletzt 3,34 Prozent auf 4156,85 Zähler, der Nasdaq 100 gab sogar seine Gewinne der vergangenen zwei Handelstage ab und büßte 4,73 Prozent auf 12 897,40 Punkte ein. Damit nähert er sich wieder seinem Tief zu Wochenbeginn, als er auf das niedrigste Niveau seit mehr als einem Jahr abgesackt war.

Unter den Einzelwerten standen erneut vor allem Quartalsberichte im Blick, So sackten die Aktien von Ebay an der Nasdaq um 9,4 Prozent ab. Wachstumssorgen belasteten die Papiere der Auktionsplattform. Das erste Quartal sei zwar besser gewesen als befürchtet, doch das schwierige Umfeld bremse die Ambitionen für das zweite Quartal und auch das Gesamtjahr, sagte der JPMorgan-Experte Doug Anmuth.

Shopify sackten nach verfehlten Gewinnerwartungen und einem angekündigten Zukauf - dem bislang größten in der Firmengeschichte der E-Commerce-Plattform - um rund 17 Prozent ab und erreichten ein Zweijahrestief. Sorgen über rückläufige Online-Käufe angesichts des Endes der Covid-19-Pandemie drücken inzwischen auch zunehmend auf Amazon. Die Aktien des weltgrößten Online-Händlers verloren 7,6 Prozent.

Ein überraschend starkes Quartal meldete dagegen der Frühstücksflocken-Hersteller Kellogg und hob seinen Umsatzausblick an. Die Anteilscheine stiegen daraufhin um 3,9 Prozent.

Nikola meldete zwar einen geringeren Quartalsverlust als im Vorjahr, verfehlte aber die Analystenerwartungen. Dass die Aktien des E-Lastwagen-Herstellers um 4,4 Prozent stiegen, führten Marktbeobachter auf die jüngste Kursschwäche zurück. Erst am Vortag waren die Papiere auf ein Zweimonatstief gefallen.

Weiter gefragt waren auch die Papiere von Lithiumproduzenten, die zuletzt von Tesla -Chef Elon Musk angesichts der Bedeutung des Rohstoffs für Elektroautos in den Fokus gerückt worden waren. Nach Livent , die tags zuvor um 30 Prozent nach oben geschossen waren und nun um etwas mehr als 3 Prozent nachgaben, griffen die Anleger nun bei Albemarle zu. Der Spezialchemiekonzern übertraf mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen deutlich und stockte die Jahresziele kräftig auf. Die Papiere gewannen an der Nyse daraufhin zuletzt 5,5 Prozent./ck/he