NEW YORK (dpa-AFX) - Die US-Börsen haben am Dienstag ihre deutlichen Vortagesverluste großteils wettgemacht. Die Erholung wurde gestützt von besser als erwartet ausgefallenen Stimmungsdaten aus dem Dienstleistungsgewerbe. Marktbeobachter sehen in den steigenden Kursen dennoch kein Vorzeichen für eine ausgeprägte weitere Aufholjagd. Die Erholung sei stark von den zuletzt besonders schwachen Technologiewerten getragen, weshalb der Markt weiter angeschlagen bleibe, hieß es.

Zudem, so schrieb Analyst Edward Moya vom Broker Oanda, bestünden die Unsicherheiten rund um die Zahlungsschwierigkeiten des chinesischen Immobiliengiganten Evergrande fort und der Streit um die Schuldenobergrenze zwischen Demokraten und Republikanern werde wohl noch einige Wochen andauern.

Der Dow legte letztlich um 0,92 Prozent auf 34 314,67 Punkte zu. Der S&P 500 gewann 1,05 Prozent auf 4345,72 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 1,40 Prozent auf 14 674,15 Punkte nach oben.

Am Montag hatten die wichtigsten US-Indizes teils deutlich nachgegeben, da die Ölfördergruppe Opec+ trotz der Knappheit am Weltmarkt ihre Tagesproduktion im November nicht stärker als geplant anhebt. Die Ölpreise kletterten auf Mehrjahreshochs und lösten wieder verstärkt Inflationssorgen aus.

Erleichterung bot nun vor allem der ISM-Index Dienste für den Monat September, der sich überraschend deutlich auf 61,9 Punkte aufhellte. "Im Dienstleistungsgewerbe ist die Stimmung weiterhin sehr gut", schrieb Helaba-Experte Ulrich Wortberg. Der höher als erwartete Indexstand des ISM lasse zudem auf fortgesetztes Wachstum schließen. Zwar seien die hohen Energiekosten ein Risiko für die Verbraucherausgaben und die gesamtwirtschaftliche Dynamik, so Wortberg, dennoch stellten die Stimmungsindikatoren dem von der US-Notenbank (Fed) avisierten Beginn einer Reduzierung der expansiven geldpolitischen Maßnahmen im November nichts entgegen.

Unternehmensseitig rückten im späteren Handelsverlauf neben Techwerten vor allem Bankaktien in den Fokus. Mit Blick auf die bald wieder startende Berichtssaison hoffen Anleger wohl auf erneut starke Zahlen, sagte ein Marktbeobachter. Zudem sorge die Inflation für Spekulationen über eine baldige Zinsanhebung durch die Fed, was Banken steigende Erträge im Kreditgeschäft verschaffen würde. Die Papiere von Goldman Sachs verdrängten im Dow die Ölaktien von Chevron von ihrem Spitzenplatz und legten um 3,1 Prozent zu. JPMorgan gewannen 1,0 Prozent. Chevron gingen mit einem Plus von 1,1 Prozent aus der Börsensitzung, nachdem sich der Ölpreisanstieg im Handelsverlauf etwas abschwächte.

Nach ihrem Kursrutsch am Vortag gewannen zudem die Facebook-Anteile 2,1 Prozent. Während beim Social-Media-Unternehmen und seinen Töchtern WhatsApp und Instagram nach dem rund sechsstündigen Ausfall zu Wochenbeginn die Systeme wieder laufen, steht der Konzern an diesem Handelstag wegen der Befragung einer früheren Mitarbeiterin und Whistleblowerin vor dem US-Senat im Fokus.

Erneut angehobene Jahresziele verhalfen den Papieren von Pepsico nur zu Kursgewinnen von 0,6 Prozent. Der Getränkeriese wurde angesichts eines gut verlaufenen dritten Quartals nochmals optimistischer, doch gibt es Experten zufolge auch Herausforderungen. Es sei brillant, wie sich Pepsico im aktuellen Umfeld schlage, doch bestehende Probleme seien damit nicht gelöst, schrieb RBC-Analyst Nik Modi und verwies etwa auf die Lohnkosten und die Inflation.

Netflix kletterten auf ein Rekordhoch bei über 640 US-Dollar. Aus dem Handel gingen sie etwas darunter, mit einem Plus von 5,2 Prozent. Die Analysten der US-Investmentbank Cowen bekräftigten ihre Kaufempfehlung "Outperform" mit einem Kursziel von 650 Dollar. Eine Umfrage von Cowen unter 2500 US-Konsumenten habe deutlich gemacht, dass der Streamingdienst weiterhin als derjenige mit den besten Inhalten wahrgenommen werde, schrieben sie.

Der Euro pendelte im US-Handel um die Marke von 1,16 Dollar und kostete zum Börsenschluss an der Wall Street 1,1595 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1602 (Montag: 1,1636) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,86192 (0,85940) Euro. Am US-Rentenmarkt verbuchten die Staatsanleihen Kursverluste. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) fiel zuletzt um 0,30 Prozent auf 131,69 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg im Gegenzug auf 1,54 Prozent./ck/he

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -