NEW YORK (dpa-AFX) - An der Wall Street hat sich nach den Gewinnen am Freitag wieder Ernüchterung breit gemacht. Die wichtigsten Indizes traten am Montag nach einem recht zähen Handel am Ende nahezu auf der Stelle. Robuste Konjunkturdaten hatten im Verlauf die Renditen am Anleihemarkt steigen lassen und Befürchtungen geweckt, dass die US-Notenbank die Zinsen doch früher als gedacht erhöhen könnte, um der steigenden Inflation Herr zu werden. Am Freitag waren entsprechende Befürchtungen noch in den Hintergrund getreten.

Der Dow Jones Industrial schloss 0,04 Prozent tiefer bei 36 087,45 Punkten. Der marktbreite S&P 500 verharrte prozentual unverändert bei 4682,80 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 gab um 0,07 Prozent auf 16 189,12 Punkte nach.

Die Industriestimmung in New York hat sich im November wesentlich deutlicher als erwartet aufgehellt. Vor allem die Indikatoren für Neuaufträge und Auslieferungen stiegen an. Zugleich zeigten die Unterindizes für die Preisentwicklung eine anhaltend hohe Inflation. Der Indikator für gezahlte Preise notierte in der Nähe seines Rekordhochs, der Index für die von den Unternehmen erzielten Preise markierte ein Rekordhoch. Am Freitag hatte sich das Konsumklima der Uni Michigan wegen zunehmender Inflationsängste erheblich eingetrübt.

Im Dow sicherten sich am Montag die Aktien von Boeing mit einem Plus von fünfeinhalb Prozent den ersten Platz. Auf der Luftfahrtmesse in Dubai hatte sich der Flugzeugbauer optimistisch gezeigt, wichtige Aufträge aus China ergattern zu können.

Hinter Boeing profitierten die Papiere des Ölkonzerns Chevron von einer Kaufempfehlung der schweizerischen Großbank UBS und zogen um gut zwei Prozent an. Analyst Jon Rigby hatte seine Schätzungen für den Ölpreis bis 2025 deutlich angehoben.

An der Nasdaq-100-Spitze schnellten die Anteilscheine von Dollar Tree um mehr als 14 Prozent in die Höhe, nachdem sie im Handelsverlauf ein Rekordhoch erreicht hatten. Hier sorgte ein Bericht des "Wall Street Journal" für Euphorie. Dem Blatt zufolge hält der aktivistische Investor Paul Hilal über seine Anlagegesellschaft Mantle Ridge Aktien der Billighandelskette im Wert von mindestens 1,8 Milliarden US-Dollar und wäre damit direkt einer der beiden größten Anteilseigner.

Derweil drückt die spektakuläre Twitter-Abstimmung von Tesla-Chef Elon Musk über den Verkauf eigener Aktien immer stärker auf den Aktienkurs des Elektroautobauers. An diesem Montag musste Tesla sogar zwischenzeitlich den Club der Billionen-Dollar-Konzerne verlassen. Am Ende konnten die Aktien das Minus noch auf rund zwei Prozent eindämmen, so dass der Konzern zum Handelsschluss wieder knapp über 1 Billionen Dollar schwer war.

Elon Musk hatte Twitter-Nutzer darüber abstimmen zu lassen, ob er für höhere Steuerzahlungen ein Zehntel seines Anteils an dem Elektroauto-Hersteller verkaufen soll. Als mit Abstand reichster Mensch der Welt sah sich der 50-Jährige zuletzt verstärkt mit Forderungen konfrontiert, mehr zur Lösung der Probleme der Welt beizutragen und mehr Steuern zu zahlen. Nachdem 58 Prozent der Twitter-Nutzer für einen Verkauf gewesen waren, hat Musk in mehreren Schritten Tesla-Aktien zu Geld gemacht. Wie sich jetzt zeigt, geschah dies offenbar nicht auf kursschonende Art und Weise.

Den Euro litt unter dem Renditeanstieg in den USA und kostete zuletzt 1,1371 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1444 (Freitag: 1,1448) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8738 (0,8735) Euro.

Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) sank um 0,18 Prozent auf 130,30 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Staatspapiere stieg auf 1,62 Prozent./la/he

- Von Lutz Alexander, dpa-AFX -