WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im Mai zum zweiten Mal in Folge zurückgefahren. Gegenüber April sei die Gesamtherstellung um 0,3 Prozent gefallen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Analysten hatten hingegen mit einem Zuwachs von im Schnitt 0,5 Prozent gerechnet. Vor allem die Autoproduktion belastete das Gesamtergebnis.

Der aktuelle Rücksetzer folgt auf einen Rückgang im Vormonat. Allerdings fällt die Entwicklung im April nach neuen Daten nicht ganz so schwach aus wie ursprünglich gedacht. Gegenüber dem coronabedingt sehr schwachen Vorjahresmonat stieg die Produktion im Mai deutlich um 17,3 Prozent. Sie liegt aber immer noch deutlich tiefer als vor Beginn der Corona-Beschränkungen im Februar 2020.

Die Warenherstellung in der Industrie fiel von April auf Mai um 0,5 Prozent, während die Energieproduktion um 2,1 Prozent nachgab. Die Aktivität am Bau stieg dagegen um 1,3 Prozent und hellte das Gesamtergebnis etwas auf. Innerhalb der Warenfertigung ging vor allem die Herstellung hochwertiger Investitionsgüter zurück.

Das Bundeswirtschaftsministerium führte den Produktionsrückgang vor allem auf Versorgungsengpässe mit Halbleitern im Automobilbereich zurück. Hintergrund sind Lieferprobleme im internationalen Warenhandel und Knappheiten, die allerdings nur teilweise auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind. Der Ausblick für die Industriekonjunktur bleibe aber positiv, erklärter das Ministerium. Die Nachfrage sei nach wie vor hoch, das Geschäftsklima und die Exporterwartungen hätten sich gebessert.

Etwas pessimistischer bewertete Konjunkturexperte Ralph Solveen von der Commerzbank die Aussichten. "Die Probleme in den Lieferketten dürften wohl noch einige Zeit anhalten, sodass die Industrie wohl auch in den kommenden Monaten nicht zur Erholung der deutschen Wirtschaft beitragen wird", erwartet Solveen.

Dennoch werde sich der Konjunkturaufschwung in Deutschland fortsetzen, da er von anderen Sektoren getragen werde. Solveen spielt damit auf die Dienstleister und den Handel an, die - anders als die Industrie - stark unter den Corona-Einschränkungen gelitten haben. Entsprechend stark profitieren sie jetzt von den Lockerungen./bgf/eas