LONDON (dpa-AFX) - Der britische Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE Systems fürchtet nach der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi um einen Eurofighter-Auftrag aus Saudi-Arabien. Wie BAE Systems am Donnerstag mitteilte, ist das Unternehmen "abhängig von Export-Genehmigungen von mehreren Staaten, um weiterhin nach Saudi-Arabien liefern zu können". Doch die deutsche Bundesregierung hat Genehmigungen für Rüstungsexporte in das Land ausgesetzt. BAE will die Auswirkungen dieses Embargos jetzt mithilfe der britischen Regierung begrenzen.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Obwohl BAE Systems einen Auftragsbestand auf Rekordhöhe und mehr Gewinn meldete, sackte der Aktienkurs am Morgen in den Keller und lag am frühen Nachmittag noch mit 6,64 Prozent im Minus bei 470,87 britischen Pence.

Bei den Export-Genehmigungen fällt Deutschland eine Schlüsselrolle zu: Der Eurofighter ist ein Gemeinschaftsprodukt von BAE, Airbus und dem italienischen Hersteller Leonardo , das Eurofighter-Konsortium sitzt in Hallbergmoos bei München. BAE Systems hat den Auftrag zwar eingefädelt, doch der deutsch-französische Airbus-Konzern liefert 30 Prozent des Eurofighters zu, und der Münchner Triebwerksbauer MTU arbeitet an dem Triebwerk des Kampfjets mit.

Saudi-Arabien hatte im vergangenen Jahr eine Absichtserklärung über den Kauf von 48 Eurofighter-Kampfjets unterzeichnet. Der Vertrag war zwar noch nicht endgültig besiegelt, doch ein Abkommen sollte die Eurofighter-Produktion für eine längere Zeit sichern.

Die Tötung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul hat aber für eine internationale Krise gesorgt. Im Gegensatz zu anderen Staaten will Deutschland vorläufig keine Rüstungsexporte in das Land mehr genehmigen. Auch bereits genehmigte Exporte liegen auf Eis.

Insgesamt gesehen mangelt es BAE aber nicht an Aufträgen. "Der Auftragsbestand im Rüstungsgeschäft ist jetzt auf Rekordhöhe", sagte Konzernchef Charles Woodburn bei der Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen am Donnerstag in London. Dank Neubestellungen von Fregatten für Kanada und Australien, U-Booten für Großbritannien und gepanzerten Fahrzeugen für die USA wuchs das Orderbuch im vergangenen Jahr um fast 10 Milliarden auf 48,4 Milliarden britische Pfund (55,7 Mrd Euro).

Der Umsatz des Konzerns ging 2018 zwar um zwei Prozent auf 16,8 Milliarden Pfund zurück. Der Überschuss legte aber auch dank geringerer Abschreibungen um mehr als ein Fünftel auf 1,03 Milliarden Pfund zu. Den Anteilseignern winkt eine von 21,8 auf 22,2 Pence je Aktie erhöhte Dividende./stw/stk/fba