BERLIN (dpa-AFX) - Im Streit um Billigpreise für Lebensmittel verlangt der Bauernverband von den großen Supermarktketten ein grundlegendes Umsteuern. "Die mangelnde Wertschätzung der Arbeit der deutschen Bauern seitens des Lebensmitteleinzelhandels muss endlich ein Ende haben", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Mittwoch. Der Verband fordert unter anderem eine Selbstverpflichtung des Handels zum Ausstieg aus einer "Dauerniedrigpreiskultur". Die Ausrichtung der Verbraucherkommunikation auf niedrige Preise sei "Ausdruck von Ideenlosigkeit" und zerstöre Wertschöpfung und Nachhaltigkeit.

Der Bauernverband sprach sich zudem für einen "Deutschland-Bonus" für Lebensmittel aus heimischer Landwirtschaft aus, die in der Regel mit deutlich höheren Standards erzeugt würden als Produkte aus dem Ausland. "Diese Qualität muss ein anderes Preisschild haben", sagte Rukwied. Nötig sei zudem eine Selbstverpflichtung des Handels für langfristige und verlässliche Liefer- und Vertragsbeziehungen. Landwirte seien bereit, in höhere Standards und Anforderungen ihrer Abnehmer zu investieren. Voraussetzung sei aber eine volle Honorierung höherer Erzeugungskosten.

Zwischen Bauernvertretern und den Handelsketten kocht die Diskussion um Preisdruck für Lebensmittel zusehends hoch. Hintergrund sind auch Protestaktionen von Landwirten an Zentrallagern des Handels.

Der Handelsriese Rewe betonte angesichts der Forderungen des Bauernverbandes, dass er vieles von dem, was gefordert werde, bereits in seinen zu Jahresbeginn gestarteten "Lokal-Partnerschaften" mit mehr als 10 000 Bauern umsetze. Die Rewe-Initiative richtet sich an kleinere regionale und lokale Erzeuger von Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst sowie Molkereiprodukten und soll ihnen erleichtern, Produkte direkt über die Rewe-Märkte zu vertreiben.

Dabei setze Rewe auf eine langfristige Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern und biete ihnen in den Kooperationsverträgen ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Sicherheit unter anderem bei den Abnahmemengen und den Preisen, betonte das Unternehmen. Bestandteil der Initiative sei auch ein Ombudsmann, der bei Konflikten angesprochen werden könne. Das Unternehmen kündigte an, es werde die Lokal- Partnerschaften "weiter gezielt ausbauen, um die Landwirtschaft in Deutschland zu stärken"./sam/DP/nas