FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der Deutschen Bank wächst nach dem erfolgreichsten Halbjahr seit 2015 die Zuversicht. Der Konzernumbau kommt voran, die Kosten sinken und Vorstandschef Christian Sewing rechnet mit deutlich weniger Kreditausfällen durch die Corona-Krise als bisher veranschlagt. "Der Vorsteuergewinn von 1,2 Milliarden Euro im zweiten Quartal bestätigt: Wir sind auf einem guten Weg zu unserem Renditeziel von acht Prozent im kommenden Jahr", bilanzierte Sewing am Mittwoch in Frankfurt. Zudem schnitt die Bank in den vergangenen Monaten deutlich besser ab als von Analysten erwartet.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten sehr gut an. Kurz nach Handelsstart legte die Deutsche-Bank-Aktie als Dax-Spitzenreiter um 3,7 Prozent zu und überwand so auch die Marke von elf Euro. Branchenexperten zeigten sich von den Quartalszahlen positiv überrascht. Analyst Andreas Pläsier von Warburg Research rechnet nun mit höheren Erträgen im Investmentbanking und geringeren Rückstellungen für Kreditausfälle als bisher.

Nach Steuern verdiente die Deutsche Bank in den Monaten April bis Juni 828 Millionen Euro. Davon müssen noch Minderheitsanteile sowie Zinszahlungen für bestimmte Anleihen abgezogen werden, so dass auf die Aktionäre unter dem Strich ein Gewinn von 692 Millionen Euro entfiel. Ein Jahr zuvor stand unter dem Strich ein Minus von 77 Millionen Euro in der Zwischenbilanz. Nun stand im ersten Halbjahr ein Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro in den Büchern.

"Wie schon im ersten Quartal waren alle unsere Geschäftsbereiche profitabler als im Vorjahr", stellte Sewing fest. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag mit 7,8 Prozent nur knapp unter der für 2022 gesetzten Zielmarke von 8 Prozent.

Die Erträge des Konzerns - also die gesamten Einnahmen - lagen mit gut 6,2 Milliarden Euro allerdings knapp unter der Summe des Vorjahresquartals. Das lag vor allem an Rückgängen in der Investmentbank. Ein Jahr zuvor hatte die Sparte von Turbulenzen an den Finanzmärkten zu Beginn der Corona-Krise profitiert.

Im Privatkundengeschäft konnte die Deutsche Bank ihre Erträge hingegen um drei Prozent steigern, obwohl hier das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Bankgebühren negativ zu Buche schlug. Der BGH hatte Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Viele Gebührenerhöhungen sind deshalb vorerst ausgesetzt, Bankkunden können zudem einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. Dafür legen etliche Banken Geld zurück.

Unterdessen kommt Deutschlands größtes Geldhaus beim Umbau inklusive des Abbaus Tausender Stellen voran. 90 Prozent der mit 8,1 Milliarden Euro veranschlagten Kosten sind nach Angaben des Instituts inzwischen verarbeitet. Die bereinigten Kosten ohne Umbaukosten sanken im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum baute der Dax-Konzern unter dem Strich gut 3000 Vollzeitstellen ab, so dass Ende Juni rechnerisch noch knapp 84 000 Vollzeitbeschäftigte bei der Bank arbeiteten.

"Nun kommt es darauf an, dass wir unseren Umbau diszipliniert fortsetzen", erklärte Sewing. "Wir müssen bei all den Kostenfaktoren am Ball bleiben, die wir selbst beeinflussen können." Jedoch will sich der Vorstand ab jetzt nicht mehr an einem festen Kostenziel orientieren, sondern am Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. So sollen die Kosten des Konzerns bis zum Jahr 2022 auf 70 Prozent der Erträge sinken. Bisher hatte Sewing ein Kostenziel von 16,7 Milliarden Euro ausgegeben. Wenn der Bank nun zusätzliche Erträge winken, sollen auch die Kosten höher ausfallen dürfen.

Tatsächlich rechnet die Deutsche-Bank-Spitze für dieses und das kommende Jahr mit höheren Erträgen als noch im Dezember prognostiziert. Dabei schätzt sie einen "erheblichen Teil" des Ertragswachstums seit 2019 als nachhaltig ein. Zudem dürften sich die Belastungen durch die Niedrigzinsen nach Einschätzung des Vorstands in den kommenden Quartalen schrittweise verringern.

Zupass kommt der Deutschen Bank auch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld stabilisiert. So erwartet das Management deutlich weniger Kreditausfälle als noch vor wenigen Monaten gedacht: So dürfte die Risikovorsorge für gefährdete Kredite in diesem Jahr nur noch 0,2 Prozent des Kreditvolumens ausmachen, hieß es. Dies entspreche etwa 900 Millionen Euro, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Wenn sich die Wirtschaft besser entwickle, könne es auch weniger werden.

Ende April war der Manager noch von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro ausgegangen. Im Corona-Jahr 2020 hatte die Deutsche Bank rund 1,8 Milliarden für mögliche Kreditausfälle zur Seite gelegt. Im ersten Halbjahr 2021 waren es hingegen nur 144 Millionen Euro.

Die Entlastung und die zusätzlichen Erträge kann die Deutsche Bank aber auch gut gebrauchen. So rechnet der Vorstand mit einer zusätzlichen Belastung von 400 Millionen Euro für den europäischen Banken-Abwicklungsfonds und die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland. Letztere war zuletzt von der Pleite der Bremer Greensill-Bank schwer belastet worden./stw/ben/DP/jha/