BERLIN/MAINZ (dpa-AFX) - Angesichts von Forderungen nach verschärften Corona-Maßnahmen haben die Bildungsminister der Länder am Donnerstag über mögliche Folgen der jüngsten Pandemie-Entwicklung für den Schulunterricht beraten. Die Teilnehmer der Kultusministerkonferenz (KMK) tauschten sich nach Informationen aus Teilnehmerkreisen über die Situation in den einzelnen Bundesländern aus. In Sachsen wurden wegen der hohen Infektionszahlen bereits für die kommende Woche wieder Schulschließungen wie im März angekündigt.

Die Mehrheit der Ministerrunde vertrete weiter die Linie, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, hieß es in Teilnehmerkreisen. Ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht soll es in einzelnen Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen geben. Die letzte Entscheidung für weitere Maßnahmen zum Schulunterricht soll dem Vernehmen nach nicht bei den Bildungsministern liegen, sondern der Ministerpräsidentenkonferenz vorbehalten sein. Das Bundesbildungsministerium wurde von Staatssekretär Christian Luft vertreten.

Zum Schulunterricht in der Corona-Pandemie mehrten sich zuletzt die Stimmen gegen den Vorrang für den Präsenzunterricht in der Klassen- und Kursgemeinschaft. Die Schülerinnen und Schüler müssten so flächendeckend wie möglich in den Distanzunterricht wechseln, forderte am Donnerstag der Vorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. Mit Blick auf die hohen Infektionszahlen kritisierte er in einer Mitteilung: "Es rächt sich nun, dass man in den Ländern und Kultusbehörden in den vergangenen Wochen die klaren Inzidenz- und Infektionswerte ignoriert hat und den Präsenzunterricht unter allen Umständen durchdrücken wollte."

Vor der letzten regulären Sitzung der Kultusministerkonferenz in diesem Jahr tauschte sich die KMK-Runde mit der Hochschulrektorenkonferenz über Erfahrungen in der Lehrerausbildung aus. Auf der Tagesordnung der zweitägigen Videokonferenz unter dem Vorsitz der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) standen auch Vorbereitungen für die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz: Ursprünglich als Bildungsrat geplant, soll diese Kommission mit Bildungswissenschaftlern besetzt werden, die die künftige Gestaltung der Bildungspolitik der Länder mit wissenschaftlicher Expertise begleiten sollen.

Außerdem wollten sich die Teilnehmer der KMK-Sitzung mit dem Bedarf der Einstellung von Lehrern bis 2030 befassen und dazu Modellrechnungen der Länder betrachten. Schließlich sollte auch die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur KMK-Präsidentin für das kommende Jahr gewählt werden./pz/DP/nas