WIESBADEN (dpa-AFX) - Leerere Busse und Bahnen, weniger Verkehr auf den Straßen: Die Corona-Pandemie veränderte nicht nur den Alltag der Menschen, sondern wirkt sich auch auf die Unfallzahl aus. Noch nie seit der Wiedervereinigung 1990 ist in Deutschland die Zahl der Verkehrsunfälle in einem April so niedrig gewesen wie in diesem Jahr. Die Zahl der Straßenverkehrsunfälle ging um 35 Prozent auf 144 500 zurück, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Die Zahl der Verletzten sank um 33 Prozent auf rund 21 000. Bei der Zahl der Verkehrstoten dagegen machte sich kaum bemerkbar, dass in Zeiten von Homeoffice und Fernunterricht deutlich weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren: Im April 2020 kamen 236 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Das seien drei Tote weniger gewesen als im April 2019, hieß es vom Amt in Wiesbaden.

Schon im März hatte es deutlich weniger Verkehrsunfälle und auch deutlich weniger Tote und Verletzte bei Unfällen im Straßenverkehr gegeben als im Jahr zuvor.

Insgesamt erfasste die Polizei von Januar bis Ende April rund 706 200 Straßenverkehrsunfälle. Das waren 16,8 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Darunter waren rund 71 100 Unfälle mit sogenanntem Personenschaden - ein Rückgang um 15,8 Prozent - , bei denen 783 Menschen getötet wurden.

Damit ging die Zahl der Verkehrstoten im Vergleich zu den ersten vier Monaten des Jahres 2019 um elf Prozent beziehungsweise 97 Menschen zurück. Die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr ging um 18,4 Prozent auf 89 300 zurück.

Dabei tragen moderne Gewohnheiten durchaus zu Unfallrisiken bei. So warnten Unfallchirurgen zum Tag der Verkehrssicherheit am 20. Juni Autofahrer vor sekundenlanger Ablenkung durch Handynutzung am Steuer. "Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h im Stadtverkehr führt schon das 3-sekündige Checken einer SMS zu etwa 42 Metern Fahrt ohne Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens", rechnete die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Bei Tempo 120 auf der Autobahn seien Fahrer sogar 100 Meter im Blindflug unterwegs.

Viele Verletzungen, die die Experten in den Notaufnahmen sähen, gingen auf Unfälle abgelenkter Fahrer zurück, hieß es.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) kritisierte unterdessen, dass die Infrastruktur in deutschen Städten immer noch für den Autoverkehr optimiert sei. Nach internen Auswertungen des ADFC hätten die Fahrradunfälle seit dem sogenannten Lockdown wegen Corona im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen.

Ohnehin verschlechterten sich beim Radverkehr die Unfallzahlen seit 2017 kontinuierlich. So seien 2018 nahezu 90 000 Radfahrer auf deutschen Straßen verunglückt, elf Prozent mehr als im Vorjahr./czy/DP/eas