BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Die anhaltende Corona-Pandemie hat dem Krankenhaus- und Medizinkonzern Fresenius SE zum Jahresstart Umsatz- und Ergebniseinbußen beschert. Dabei belasteten jedoch auch Währungseffekte das Wachstum. "Wir haben es geschafft, aus eigener Kraft zu wachsen, obwohl das erste Quartal des Vorjahres weniger stark von der Pandemie beeinträchtigt war", sagte Konzernchef Stephan Sturm am Donnerstag laut Mitteilung. "Das stimmt mich optimistisch, dass wir unsere gesteckten Ziele erreichen können."

Bereinigt um Wechselkurseffekte legten die Erlöse im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um 3 Prozent zu, sanken jedoch nominal um 2 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging um 11 Prozent auf rund eine Milliarde Euro zurück. Der bereinigte Gewinn sank um 6 Prozent auf 435 Millionen Euro. Damit schnitt Fresenius jedoch besser ab als von Analysten erwartet.

Während die Papiere des Krankenhaus- und Medizintechnikers Fresenius um 0,3 Prozent auf 41,50 Euro, gaben die des Dialysespezialisten um 0,2 Prozent auf 65,98 Euro nach. Jefferies-Analyst James Vane-Tempest beurteilte das Zahlenwerk von Fresenius als einen Tick besser als erwartet. Negativ sei jedoch der Rückgang des operativen Wachstums im Nordamerika-Geschäft der Infusionstochter Kabi. Zu FMC hieß es seitens von JPMorgan, dass umsatzseitig die Markterwartung verfehlt worden sei.

Die rund 90 Häuser der deutschen Klinikgesellschaft Helios verzeichneten trotz Umsatzzuwächsen einen Ergebnisrückgang, obwohl staatliche Unterstützung die Belastungen durch die vielen behandelten Covid-19-Patienten fast vollständig ausglich. Allerdings wirkten sich neuere staatliche Regelungen zu den Fallpauschalen negativ aus. Zudem hatte die Fresenius-Sparte Helios vor dem Ausbruch der Pandemie in Europa im Januar und Februar des Vorjahres sich noch positiv entwickelt.

In Spanien zog das Krankenhausgeschäft der Gesellschaft Quironsalud hingegen wieder kräftig an. Die Ärzte dort nahmen wieder mehr Behandlungen auf, die zuvor wegen der Pandemie verschoben worden waren. Zudem profitierte die Gesellschaft von Übernahmen in Kolumbien. Umsatz und operatives Ergebnis legten dadurch prozentual zweistellig zu.

Dagegen litt die auf Flüssigmedizin und klinische Ernährung spezialisierte Tochter Kabi besonders in ihrem wichtigen Markt Nordamerika, auch dort wirkte sich der Rückgang verschiebbarer Behandlungen negativ aus. Zudem belasteten die Insolvenz eines Kunden, zunehmender Preisdruck und zeitweilige Produktionsprobleme. Dies konnte auch die stark angezogene Nachfrage in Lateinamerika und in Asien nicht ausgleichen, Umsatz und Ergebnis von Kabi gingen zurück.

Unterdessen schrieb die kleinste Tochter Vamed, die auf Projekte und Dienstleistungen für Gesundheitseinrichtungen spezialisiert ist, abermals rote Zahlen. Bereits im vergangenen Jahr hatten Vamed verschobene und stornierte Projekte und das coronabedingte stotternde Reha-Geschäft quartalsweise Verluste eingebrockt, im gesamten Jahr war der Bereich nur knapp über der Gewinnschwelle herausgekommen.

Seinen vom Markt im Frühjahr als mau eingestuften Ausblick bestätigte Fresenius. Der Konzern erwartet weiterhin erst in der zweiten Jahreshälfte eine "spürbare Verbesserung der Rahmenbedingungen in seinen wesentlichen Märkten", sofern die Impfkampagnen zügig voranschreiten. Für 2021 prognostiziert der Vorstand unverändert währungsbereinigt einen Umsatzzuwachs im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Konzernergebnis soll unter Ausklammerung von Wechselkurseffekten und um Sondereinflüsse bereinigt mindestens "in etwa stabil" bleiben.

Die Konzernziele werden vor allem durch die Tochter Fresenius Medical Care (FMC) belastet, die Anfang Februar mit einer Gewinnwarnung für 2021 die Börse geschockt hatte. So sprach FMC damals von einer "deutlichen Erhöhung der Covid-19-bedingten Patientenübersterblichkeit im November und Dezember 2020", die voraussichtlich auch in der ersten Jahreshälfte 2021 anhalten werde. Im abgelaufenen ersten Quartal musste FMC beim Umsatz einen Rückgang um nominal 6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro verkraften, das Konzernergebnis brach um 12 Prozent auf 249 Millionen Euro ein.

Die Übersterblichkeit bei den Dialyse-Patienten an Covid-19 gehe zwar seit Februar zurück, teilte FMC nunmehr mit. Allerdings sei im weiteren Jahresverlauf wegen steigender Vertriebs- und Verwaltungskosten ein verstärkter negativer Ergebniseffekt zu erwarten. Zudem gab es eine Sonderkonjunktur im zweiten Quartal des Vorjahres, als der Dialyseanbieter von Zahlungen der US-Regierung im Zuge der Pandemie profitierte. Auch FMC hält daher an seiner Prognose fest. Erwartet wird in diesem Jahr ein Ergebnisknick im hohen Zehner bis mittleren Zwanziger-Prozentbereich./tav/ngu/stk