MADRID (dpa-AFX) - Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben die spanische Großbank BBVA im zweiten Quartal nicht so hart getroffen wie befürchtet. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um rund die Hälfte auf 636 Millionen Euro, wie das Geldhaus am Donnerstag in Madrid mitteilte. Von Bloomberg befragte Experten hatten im Schnitt mit einem noch stärkeren Gewinnrückgang gerechnet. Doch die Entwicklung in Mexiko, wo BBVA stark vertreten ist, enttäuschte. An der Börse sorgte das für kräftige Verluste.

Die im EuroStoxx 50 notierte Aktie ging bereits am Morgen in die Knie und baute das Minus den Tag über kontinuierlich aus. Am Nachmittag lag ihr Kurs mit fast zehn Prozent im Minus bei 2,65 Euro. Die Aktie näherte sich ihrem bisherigen Corona-Crash-Tief von 2,457 Euro aus dem Mai. Seit Ende 2019 büßte die Aktie fast die Hälfte ihres Werts ein und damit ähnlich viel wie die Titel der Konkurrentin Santander . Die beiden spanischen Großbanken zählen damit zu den schwächsten europäischen Standardwerten in diesem Jahr.

Für die BBVA ist das Geschäft in Mexiko besonders wichtig. Dort erzielt sie rund 30 Prozent ihrer Bruttoerträge. Das Land droht einer der größten Verlierer der Pandemie zu werden, da sich das Virus immer weiter ausbreitet. Die Hilfe der Regierungen sei dort nicht so groß wie in anderen Staaten, sagte BBVA-Chef Onur Genc. Die Bank habe dies in ihren Zahlen bereits berücksichtigt.

BBVA hat rund einem Drittel ihrer Schuldner in Mexiko die Kredite gestundet. Im abgelaufenen Quartal habe die Bank daher Zinsen von rund 107 Millionen Euro nicht bekommen, sagte Genc. Viele Stundungen laufen ihm zufolge Ende Juli und im August aus. Die Bank habe erste Signale dafür gesehen, dass viele der betroffenen Schuldner ihre Kredite künftig wieder bedienen könnten.

In ihrem Heimatland Spanien, das die Pandemie ebenfalls besonders schwer getroffen hat, verdiente BBVA mehr als von Analysten gedacht. Die Bank profitierte im zweiten Quartal davon, dass sie zum Jahresauftakt bereits sehr viel für mögliche Kreditausfälle zur Seite gelegt hatte. In den ersten drei Monaten hatte die Risikovorsorge 2,6 Milliarden Euro betragen - im zweiten Quartal kamen 1,6 Milliarden Euro hinzu./stw/zb/he