ARTEIXO (dpa-AFX) - Der Textilhändler Inditex ist wegen der Corona-Pandemie zum Jahresauftakt erstmals seit vielen Jahren in die roten Zahlen gerutscht. Die Spanier mussten zeitweise rund 6000 Läden geschlossen halten. Bis Ende Juni sollen die Geschäfte in den meisten Schlüsselmärkten aber wieder in Betrieb gehen, wie das Unternehmen am Mittwoch zur Vorlage seiner Quartalsbilanz mitteilte. Konzernchef Pablo Isla kündigte unterdessen die Fortsetzung seines Konzernumbaus an.

Unter dem Strich betrug der Verlust im bis Ende April gelaufenen ersten Geschäftsquartal 409 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 734 Millionen Euro erwirtschaftet worden war. Hierzu trug auch eine Rückstellung für den weiteren Konzernumbau bei, ohne die das Minus bei 175 Millionen Euro herausgekommen wäre. Für die Spanier ist es der erste Quartalsverlust seit ihrem Börsengang im Jahr 2001.

Der Konzern will den Aktionären nun eine reguläre Dividende in Höhe von 35 Cent je Aktie zahlen. Die bisherige Dividendenpolitik, die auch eine Bonusdividende beinhaltet, soll jedoch beibehalten werden. Inditex verschiebt allerdings die Bonuszahlungen für 2020 und 2021 in das jeweilige Folgejahr. Im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre insgesamt 88 Cent erhalten.

Zwar fielen die Quartalszahlen schwächer als gedacht aus, JPMorgan -Analystin Chiara Battistini sprach trotzdem von einer beeindruckenden Geschäftsentwicklung angesichts der aktuellen Covid-19-Krise und verwies dabei auf das gute Kostenmanagement.

An der Börse rutschte die Aktie zunächst an das Ende des EuroStoxx 50 , drehte dann aber schnell ins Plus. Zuletzt stand hier ein Aufschlag von 1,25 Prozent auf 26 Euro zu Buche. Damit schlug sich das Papier besser als der Gesamtmarkt. Vom Corona-Crash hat sich die Aktie bislang aber nur teilweise erholen können, seit Jahresbeginn beträgt der Verlust noch knapp ein Fünftel.

Konzernchef Isla will nun bis 2022 weitere 900 Millionen Euro jährlich für den Unternehmensumbau und den Ausbau des Online-Handels in die Hand nehmen, wobei allein rund eine Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren in die Digitalisierung fließen soll.

Der Konzern, zu dem neben der Modekette Zara noch Bekleidungsmarken wie Pull & Bear, Bershka oder Massimo Dutti gehören, investiert seit mehreren Jahren verstärkt in Premium-Lagen, den Ausbau seines Online-Handels und die Flexibilisierung der Lagertechnik. Mit den nun angekündigten Investitionen soll das Filialnetz bis 2022 jährlich um rund 150 Läden wachsen, wobei auf der anderen Seite insgesamt bis zu 1200 unrentable Läden geschlossen werden sollen. Vom Online-Handel erhofft sich das Management in drei Jahren einen Beitrag von mehr als einem Viertel zum Gesamtumsatz.

Während der Corona-Pandemie waren die Online-Verkäufe des Konzerns sprunghaft angestiegen. Im besonders von der Pandemie betroffenen Monat April konnte Inditex die Umsätze im Internet nahezu verdoppeln, so dass das Onlinegeschäft auf Quartalssicht auf ein Plus von 50 Prozent kam. Da zum Abschluss des ersten Quartals aber erst 965 stationäre Filialen in 27 Märkten wieder geöffnet waren, brachen die Gesamterlöse des Konzerns im Berichtszeitraum um 44 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro ein.

Dies setzte sich im Mai noch stärker fort, als Inditex 51 Prozent der Umsätze in lokalen Währungen wegfielen. Für die Woche zwischen dem 2. und 8. Juni wies der Konzern nun aber einen Rückgang um 34 Prozent - und damit eine Verbesserung - aus./tav/mne/fba