WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Industrie hat ihre Produktion auch im Oktober gesteigert und sich damit bereits den sechsten Monat in Folge von dem schweren Corona-Einbruch im Frühjahr erholt. Die Gesamtproduktion lag 3,2 Prozent höher als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Analysten wurden von der Stärke des Anstiegs überrascht. Sie hatten im Mittel nur einen Zuwachs um 1,6 Prozent erwartet. Nach Einschätzung von Analysten zeigte sich "das Rückgrat der deutschen Wirtschaft" überraschend stabil in der zweiten Welle der Corona-Krise.

Außerdem war der Produktionsanstieg im September stärker als bisher gedacht. Das Bundesamt revidierte den Zuwachs auf 2,3 Prozent, nachdem zuvor nur ein Anstieg im Monatsvergleich um 1,6 Prozent gemeldet worden war.

In der Autoindustrie fiel der Produktionsanstieg besonders stark aus. In der größten Branche des Verarbeitenden Gewerbes legte die Fertigung im Oktober um 9,9 Prozent im Monatsvergleich zu. Innerhalb der Industrie nahmen die Produktion von Vorleistungsgütern um 4,0 Prozent und die Produktion von Investitionsgütern um 5,2 Prozent zu, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Bei den Konsumgütern sei die Produktion hingegen um 2,4 Prozent gesunken.

Trotz der langen Phase der Erholung konnte der Corona-Einbruch im Frühjahr noch nicht ausgeglichen werden. Auch im Jahresvergleich zeigen sich nach wie vor Auswirkungen der Krise. So lag die Produktion im Oktober um 3,0 Prozent niedriger als im Oktober 2019. Im September war der Rückgang im Jahresvergleich aber mit revidiert 6,7 Prozent noch deutlich stärker ausgefallen.

Im Vergleich zum Februar, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie, war die Produktion im Oktober 4,9 Prozent niedriger, wie es in der Mitteilung weiter hieß. "Wenn alles normal läuft, könnte die Corona-Scharte in der Industrie sogar noch in diesem Jahr ausgewetzt werden", sagte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Er sprach vom "Rückgrat der deutschen Wirtschaft, das in dieser besonderen Situation seine Stabilität beweist".

Mittlerweile sei die Industrie die größte Hoffnung gegen ein erneutes Schrumpfen der deutschen Wirtschaftsleistung, kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland der ING Bank. Seit dem Sommer habe sich das verarbeitende Gewerbe vom Bereich Dienstleistungen abgekoppelt, der nach wie vor durch die Corona-Krise belastet werde.

Die Chancen stehen gut für eine Fortsetzung der starken Produktion in der deutschen Industrie. Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass der Auftragseingang im Oktober stark gestiegen war. Er übertraf erstmals wieder das Niveau, das vor der Krise herrschte./jkr/bgf/zb