KÖLN (dpa-AFX) - Der Motorenhersteller Deutz traut sich angesichts des Russland-Ukraine-Krieges und weltweiter Lieferengpässe nur einen Ausblick auf das laufende Jahr unter Vorbehalt. Zwar seien keine direkten Lieferanten in den Regionen ansässig und das Umsatzvolumen von geringem Umfang, teilte der im SDax notierte Konzern am Montag in Köln mit. Indirekt seien die Folgen für das Geschäft aber nicht vorhersehbar. Für das abgeschlossene Jahr will das Management unterdessen nach zwei Nullrunden wieder eine Dividende auf Vorkrisenniveau ausschütten. An der Börse sorgte dies für deutliche Gewinne.

Die Aktie legte im frühen Handel zeitweise mehr als neun Prozent zu. Das Niveau konnte das Papier aber nicht ganz halten, lag zuletzt aber immer noch gut sieben Prozent im Plus. Die Deutz-Anteile waren damit immer noch einer der besten Werte im SDax . Mit dem Plus konnte die Aktie die jüngsten Kursverluste etwas reduzieren. Trotz der jüngsten Erholung liegt der Börsenkurs aber immer noch knapp 40 Prozent unter dem Mehrjahreshoch von knapp 8,50 Euro im vergangenen September.

Ohne die Auswirkungen des Krieges rechnet das Unternehmen mit einer Umsatzerhöhung auf 1,7 bis 1,85 Milliarden Euro sowie mit einer höheren Marge zum operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von 3,5 bis 5,5 Prozent. "Die Versorgungssituation ist weiterhin angespannt und wir rechnen mit weiterem Margendruck auch über die Supply Chain. Gleichzeitig kann niemand die wirtschaftlichen Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs vorhersehen. Daher stellen wir uns auf ein herausforderndes Jahr ein", sagte der neue Interims-Konzernchef Sebastian Schulte laut Mitteilung.

Der Manager tritt das Amt in einer besonders turbulenten Zeit an, nachdem der Vorstandsvorsitzende Frank Hiller nach Differenzen über den Umgang mit Vorgaben für mehr Frauen seinen Posten räumen musste.

2021 hatte Deutz seinen Umsatz deutlich nach einem coronabedingt schwachen Vergleichsjahr gesteigert. Nach knapp 1,3 Milliarden Euro erhöhte das Management den Erlös auf 1,62 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr spielte Deutz die hohe Investitionsbereitschaft seiner Kunden in die Karten. Darüber hinaus profitierte das Unternehmen von sogenannten Vorzieheffekten: Kunden bestellten eifrig, weil sich infolge von weltweiten Material- und Lieferengpässen die Bestellfristen verlängerten und Preise dadurch stiegen.

Deutz verkauft vorwiegend Dieselmotoren für Bau- und Agrarmaschinen, hat aber über die Tochter Torqeedo auch Bootsmotoren im Programm. Diese waren im vergangenen Jahr prozentual leicht stärker gefragt als die Deutz-Motoren, machen aber nur etwa ein Fünftel des Gesamtmotorenabsatzes aus.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 37,2 Millionen Euro nach minus 74,7 Millionen im Vorjahr. Die Zahlen fallen damit wie vom Vorstand prognostiziert aus, liegen aber immer noch nicht auf dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019. Unter dem Strich verdiente Deutz 38,2 Millionen Euro und schaffte damit wieder den Sprung in die Gewinnzone.

An dem Erfolg sollen auch die Anteilseigner teilhaben: Als Dividende will Deutz 15 Cent je Aktie auszahlen, nachdem die Ausschüttung 2019 infolge der Corona-Pandemie gestrichen und 2020 wegen des Bilanzverlustes kein Thema war. Mit der Ankündigung nun will das Unternehmen umgerechnet 18,1 Millionen Euro an seine Aktionäre weitergeben./ngu/zb/eas