LUTON (dpa-AFX) - Der britische Billigflieger Easyjet will sich nach seiner Notlage in der Corona-Krise eine Milliardensumme von Anlegern besorgen. Unterdessen hat die Fluggesellschaft ein Übernahmeangebot eines Kaufinteressenten nach eigenen Angaben abgelehnt, wie sie am Donnerstag in Luton bei London mitteilte. Insidern zufolge soll es sich dabei um die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air gehandelt haben. Der Kurs der Easyjet-Aktie brach ein.

An der Londoner Börse sackte der Easyjet-Kurs zeitweise um fast 14 Prozent ab und lag am Vormittag zuletzt noch mit fast zehn Prozent im Minus. Analyst Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein Research glaubt nach eigener Aussage zwar nicht, dass Easyjet eine Kapitalerhöhung benötigt. Das frische Geld könnten die Briten aber in Wachstum investieren, statt die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft zur Verbesserung ihrer Bilanz zu nutzen.

Mit der Ausgabe neuer Aktien will die Fluggesellschaft etwa 1,2 Milliarden britische Pfund (1,4 Mrd Euro) einsammeln. Das entspricht rund einem Drittel ihres bisherigen Börsenwerts. Außerdem hat sich Easyjet für die kommenden vier Jahre eine neue Kreditlinie über 400 Millionen US-Dollar (338 Mio Euro) gesichert.

Das Geld soll dem Unternehmen helfen, sich von den finanziellen Folgen der Corona-Krise zu erholen, und es für mögliche weitere Rückschläge rüsten. Die Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie hatten Easyjet wie andere Fluggesellschaften in eine Existenzkrise gebracht. Nach Einschätzung von Branchenvertretern wird es mehrere Jahre dauern, bis die Nachfrage nach Flugtickets wieder das Niveau aus der Zeit vor der Pandemie erreicht.

Die Übernahme Easyjets durch einen ungenannten Bieter ist den Angaben zufolge an der Höhe des Gebots gescheitert. Die Offerte habe Easyjet deutlich zu niedrig bewertet, hieß es in der Mitteilung. Zudem habe der Bieter die Übernahme komplett in eigenen Aktien bezahlen wollen. Inzwischen habe der Interessent versichert, dass er keine Übernahmeofferte mehr plane.

Den Namen des Bieters nannte Easyjet nicht. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge handelte es sich um die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air. Die Agentur berief sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Sprecher beider Airlines hätten eine Stellungnahme abgelehnt./stw/ngu/jha/