KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Der Ausstoß schädlicher Klimagase aus europäischen Kraftwerken und Fabriken ist im Jahr vor der Corona-Krise stark gefallen. Die Emissionen der vom EU-Emissionshandel umfassten stationären Anlagen fielen 2019 im Jahresvergleich um 9,1 Prozent auf 1530 Megatonnen an CO2-Äquivalenten, wie die in Kopenhagen ansässige EU-Umweltagentur EEA am Montag mitteilte. Dabei handelte es sich um den größten jährlichen Rückgang seit 2009. Verglichen mit 2005 sind die Emissionen damit um 35 Prozent gefallen. Um die angepeilte Klimaneutralität 2050 zu erreichen, müssen die Emissionen aber weiter deutlich sinken, wie die Experten mahnen.

Anders als bei den stationären Anlagen sah es 2019 beim Luftverkehr aus, dessen Ausstoß ebenfalls unter das EU-Emissionshandelssystem ETS fällt: Dieser stieg nach Angaben der Umweltagentur um ein Prozent an, was die zunehmende Nachfrage nach Flügen widerspiegelt - wohlgemerkt vor der Corona-Krise.

Der Rückgang bei den Kraftwerken und Fabriken resultierte erneut aus einer starken Verlagerung der zur Stromerzeugung verwendeten Brennstoffe. Von der Kohle, die laut EEA wegen steigender CO2-Preise weniger attraktiv werde, bewegt sich die Europäische Union demnach weiter weg. Stattdessen nimmt der Anteil der Erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft zu. Viele Länder stellten auch von Kohle auf Erdgas um - das ist zwar ebenfalls ein fossiler Brennträger, aber beim Verbrennen entsteht weniger CO2 als bei Kohle.

"Das Energiesystem der Europäischen Union dekarbonisiert sich schnell", stellte die Umweltagentur fest. Teils aufgrund der Corona-Krise werde für 2020 mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Der Emissionshandel gilt als eines der wirksamsten Instrumente beim Klimaschutz. Im Prinzip wird damit die Gesamtmenge zulässiger Emissionen gedeckelt und entsprechend der Klimaziele jährlich verringert. Damit werden die Verschmutzungsrechte immer knapper und teurer - der Anreiz zur Vermeidung der Klimagase steigt dadurch. Die Versteigerung von Emissionszertifikaten kann zudem zu einer bedeutenden Quelle für Investitionen in den Klimaschutz werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die weiteren Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich am Freitag auf einem Gipfel in Brüssel auf ein neues EU-Klimaziel für das Jahr 2030 geeinigt. Dem Beschluss zufolge soll der Treibhausgas-Ausstoß innerhalb der EU bis dahin im Vergleich zum Jahr 1990 um 55 Prozent verringert werden. Bisher lag das Ziel bei minus 40 Prozent.

Das ETS umfasst rund 40 Prozent des gesamten EU-Treibhausgasausstoßes. Es schließt derzeit nur Kraftwerke und Fabriken ein, könnte aber gemäß den Plänen der EU-Kommission künftig auf Gebäude und Verkehr ausgedehnt werden./trs/DP/stw