ESSEN (dpa-AFX) - Der Energiekonzern Eon hat das Corona-Jahr 2020 ohne größere Schrammen überstanden. In die Zukunft blickt der Vorstand nun optimistisch. Ausgehend von den Fortschritten bei der Integration von Innogy und den positiven Entwicklungen in der Kernenergie und im Großbritannien-Geschäft erwartet der Konzern ein steigendes Ergebnis für 2021 und darüber hinaus. Und auch in den Folgejahren soll es aufwärts gehen. Das teilte Eon am Mittwoch in Essen mit. Die Aktie lag nach knapp einer Stunde Handel gut ein halbes Prozent im Minus im Einklang mit dem Markt.

Ein Händler nannte den Bericht solide. Die Profitabilität sei im vergangenen Jahr besser als gedacht gewesen und der Ausblick liege im Rahmen der Erwartungen. Er lobte die Fortschritte im Großbritannien-Geschäft. Eon hat dort den Umschwung geschafft: Schneller als erwartet werde das Ergebnis in dieser Sparte in diesem Jahr mit mehr als 100 Millionen britischen Pfund wieder positiv zum Ergebnis beitragen, kündigte der Dax-Konzern an.

Für 2021 erwartet Eon nun konzernweit ein Plus beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) auf 3,8 und 4,0 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss soll zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro herauskommen. Zwischen 2021 und 2023 rechnet Finanzvorstand Marc Spieker auf Ebit-Ebene mit einem Zuwachs von 8 bis 10 Prozent pro Jahr. "Wir werden dabei insbesondere ein spürbares Ergebniswachstum im Kerngeschäft von 11 bis 13 Prozent sehen, das die rückläufigen Ergebnisse aus der deutschen Kernenergie mehr als ausgleichen wird", sagte der Manager laut Mitteilung.

Das abgelaufene Jahr stand nur zum Teil im Zeichen von Corona: Weil im ersten Lockdown vor rund einem Jahr die Stromnachfrage eingebrochen war, korrigierte Eon im Sommer seine Prognose nach unten. Im Laufe des Jahres erholte sich die Situation aber. Auch mit gezielten Gegenmaßnahmen wie Effizienzsteigerungen, aber auch dank zunehmender Kundenzahlen hatte der Konzern die Auswirkungen der Pandemie den Angaben zufolge eingrenzen können, die negativen Ergebniseffekte lagen bei knapp 300 Millionen Euro. Die Corona-Krise hinterlasse im Ergebnis keine bleibenden Spuren, hieß es am Mittwoch.

Die im Sommer angepassten Ziele hatte Eon 2020 erreicht: Das bereinigte Ebit stieg im abgelaufenen Jahr auf knapp 3,8 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es auf Pro-Forma-Basis noch 3,2 Milliarden Euro gewesen. Der bereinigte Konzernüberschuss lag im abgelaufenen Jahr bei gut 1,6 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden Euro auf Pro-Forma-Basis in 2019.

Der Konzern berichtet die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr auf Pro-Forma-Basis, da die 2020er-Bilanz die erste in der neuen Konzernstruktur nach dem Tauschgeschäft mit RWE ist. Letztendlich habe Eon das Geschäftsjahr ohne wesentliche Auswirkungen "weder durch die Covid-19-Pandemie, noch durch den historisch warmen Winter, erfolgreich abschließen, können", erklärte der scheidende Eon-Chef Johannes Teyssen laut Mitteilung. Teyssen gibt den Chefposten zum 1. April an Leonhard Birnbaum ab. Teyssen ist seit 2004 im Eon-Vorstand und steht diesem seit 2010 vor. Birnbaum ist seit 2013 Mitglied des Eon-Vorstands.

Seinen Aktionären will Eon wie von Analysten erwartet für 2020 eine Dividende in Höhe von 0,47 Euro zahlen (Vorjahr 0,46). Die Ausschüttungen sollen bis 2023 jährlich um bis zu 5 Prozent steigen, so der Konzern. "Auch danach streben wir eine jährliche Steigerung der Dividende an", sagte Finanzvorstand Spieker.

Neben der Corona-Krise war für Eon das Tauschgeschäft mit RWE im vergangenen Jahr das große Thema. Der Deal wurde endgültig abgeschlossen, die frühere RWE-Tochter Innogy in den Eon-Konzern integriert. Die geplanten Synergieziele würden wie erwartet erreicht, bestätigte Eon am Mittwoch. Bis 2024 will der Konzern 780 Millionen Euro an wiederkehrenden Einsparungen erzielen. Bis Ende 2020 konnten hiervon bereits 130 Millionen Euro realisiert werden.

Außerdem verweist der Konzern auf die positive Entwicklung in Sachen Kernenergie. Mit der Einigung mit der Bundesregierung könne Eon das Kapitel Kernkraft nun weitgehend abschließen./knd/tav/stk