BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die Eurogruppe wählt am Donnerstag einen neuen Chef - oder erstmals eine Chefin. Im Rennen um den einflussreichen Posten sind die Spanierin Nadia Calviño, der Ire Paschal Donohoe und der Luxemburger Pierre Gramegna. Sie bewerben sich um die Nachfolge des portugiesischen Finanzministers Mario Centeno, der das Amt nach zweieinhalb Jahren abgibt.

Die Eurogruppe ist ein informelles Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister aus den 19 Staaten der Währungszone. Sie beraten normalerweise einmal im Monat und koordinieren sich in Fragen der gemeinsamen Währung. Der oder die Vorsitzende wird immer für zweieinhalb Jahre gewählt, kann sich aber mehrmals bewerben. Centeno verzichtete, zumal er auch sein Ministeramt abgab.

Nötig sind zur Wahl mindestens 10 von 19 Stimmen. Die Minister votieren bei der Videokonferenz mit Hilfe einer App geheim. Calviño werden die besten Chancen eingeräumt, da sie wie Centeno Südeuropäerin ist und dem sozialdemokratischen Lager angehört. Nach gängiger Lesart geriete damit die Balance der Brüsseler Spitzenposten am wenigsten durcheinander. Die Spanierin kann wohl auch mit deutscher Unterstützung rechnen. Nach Angaben von Diplomaten hat sie die zehn Stimmen in dem Dreierrennen aber noch nicht sicher.

Gramegna sagte der "Welt" in einem Interview: "Ich bin der Kandidat, der von Benelux unterstützt wird. Das gibt der Kandidatur eine gewisse Stärke." Er bringe die nötige Erfahrung mit, zumal er als Finanzminister schon sechseinhalb Jahre der Eurogruppe angehöre. Zu dem Posten sagte er: "Ehrlich gesagt, Euro-Gruppe-Vorsitzender ist eigentlich ein undankbarer Job." Er bedeute sehr viel Arbeit, sei aber auch reizvoll für einen "geborenen Diplomaten" wie ihn selbst.

Der Ire Donohoe hat die Rückendeckung der christdemokratischen Europäischen Volkspartei, die in etlichen Euro-Ländern mitregiert. Er meldete sich in einem Interview des Portals Politico zu Wort und schlug vor, dass die Eurogruppe zusammen mit den übrigen EU-Ländern über das geplante Paket zur wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise berät. In der Eurogruppe war im April auch das erste Corona-Paket mit Kredithilfen im Umfang von bis zu 540 Milliarden Euro ausgehandelt worden./vsr/DP/zb