LONDON (dpa-AFX) - Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat sich im Juni kräftig von ihrem Einbruch in der Corona-Krise erholt. Wie das Forschungsinstitut IHS Markit am Dienstag mitteilte, stieg der von ihm erhobene Einkaufsmanagerindex von 31,9 Punkten im Vormonat auf 47,5 Zähler. Analysten hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, allerdings im Schnitt nur auf 43,0 Punkte. In der Corona-Krise war das Stimmungsbarometer in Rekordtempo auf ein historisches Tief abgestürzt.

Sowohl in der Industrie als auch unter Dienstleistern besserte sich die Stimmung deutlich. Allerdings liegen die Indikatoren für den Euroraum immer noch unter der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. In Frankreich jedoch stiegen sie in beiden Bereichen wieder über diese Schwelle. In Deutschland dagegen blieben sie darunter, wenngleich die Indikatoren ebenfalls deutlich anstiegen.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone, stieg der Einkaufsmanaderindex in der Industrie auf 44,6 Punkte, im Dienstleistungssektor wurden 45,8 Punkte erreicht. Die Wirtschaft zeige zunehmend Lebenszeichen, erklärte Markit und verwies auf die Lockerung von Corona-Beschränkungen. Die Nachfrage sei zwar immer noch schwach, sie erhole sich aber.

In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, verbesserte sich die Stimmung noch deutlicher als in Deutschland. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor stiegen die Indikatoren nach dem Absturz in der Krise wieder auf Werte, die wirtschaftliches Wachstum anzeigen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Frankreich in eine Phase der konjunkturellen Erholung eintrete, kommentierte Markit-Ökonom Eliot Kerr.

Bankökonomen dämpften mit Blick auf die gesamte Eurozone jedoch zu hohe Erwartungen. "Ein rasches Zurück zum alten Wachstumspfad wird es nicht geben", erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Die Einkaufsmanagerindizes seien derzeit vor allem als grober Wasserstandsmelder zu verstehen. Dies liegt vor allem an der Konstruktion der Indizes, die nur nach der Richtung der Stimmungsveränderung, nicht aber nach dem Ausmaß fragen.

Auch Christoph Weil von der Commerzbank gab sich zurückhaltend. Zum einen brauche es Zeit, die durch die Krise unterbrochenen Lieferketten zu reparieren. Zum anderen werde die globale Nachfrage weiterhin durch den fortgesetzten Kampf gegen die Corona-Pandemie gebremst. Hinzu kämen die gestiegene Arbeitslosigkeit, die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die weiter bestehenden Corona-Einschränkungen. Sein Vorkrisenniveau werde die Wirtschaftsleistung erst 2022 wieder erreichen.

Region/Index Juni Prognose Vormonat

EURORAUM

Gesamt 47,5 43,0 31,9

Verarb. Gew. 46,9 45,0 39,4

Dienste 47,3 41,5 30,5

DEUTSCHLAND

Verarb. Gew. 44,6 42,5 36,6

Dienste 45,8 42,3 32,6

FRANKREICH

Verarb. Gew. 52,1 46,0 40,6

Dienste 50,3 45,2 31,1°

(Angaben in Punkten)

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