WINDHUK (dpa-AFX) - Das unter einer dritten Corona-Infektionswelle ächzende Namibia erhält tonnenweise medizinische Hilfsgüter aus Deutschland. Wie das Außenministerium des südwestafrikanischen Staates am Mittwoch bekanntgab, soll der erste von drei Hilfsflügen aus Deutschland am Donnerstagmittag in der Hauptstadt Windhuk eintreffen. Nach offiziell unbestätigten Berichten ist das weltgrößte Frachtflugzeug - eine sechsstrahlige Antonow An-225 - bereits am Mittwoch in Leipzig mit dem Ziel Windhuk gestartet.

Die namibische Regierung hatte sich nach den Angaben angesichts eines dramatischen Anstiegs der Covid-19-Infektionen mit einem Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gewandt und auch bei der Europäischen Union ein offizielles Ersuchen eingereicht. Die Hilfsleistungen werden vom Zivilschutz-Mechanismus der EU koordiniert, wie das Ministerium mitteilte. Namibia mit knapp 2,5 Millionen Einwohnern hat bisher offiziell rund 97 100 Infektionen bei 1662 Todesfällen registriert und stößt an die Grenzen der medizinischen Infrastruktur.

Seit vergangener Woche sind Erstimpfungen nicht mehr möglich, weil die Impfstoffvorräte ausgegangen sind. Bisher haben nur 4,9 Prozent der Einwohner die Erstimpfung erhalten, noch weniger sind vollständig geimpft.

Im Winter der Süd-Hemisphäre wird Namibia wie viele andere Staaten Afrikas gerade von einer dritten Corona-Welle erfasst. Die Regierung hat daher strenge Beschränkungen erlassen. Nachdem der Staat bis vor kurzem noch als eins der am wenigsten von der Pandemie betroffenen Länder galt, steht die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 467,3. Die Schulen bleiben bis zum 26. Juli geschlossen.

Die Corona-Pandemie hat auch eine geplante parlamentarische Debatte über das unterschriftsreife Abkommen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit verzögert. In dem Abkommen erkennt die Bundesregierung mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will Berlin offiziell um Vergebung bitten und mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen. "Im Moment kann niemand was dazu sagen, es sterben zu viele Leute im Moment am Corona-Virus; es ist gar nicht möglich, den Vertrag zu besprechen," sagte Ueriuka Tjikuua, einer der Unterhändler der dpa./frö/rek/DP/stw