BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Der wegen seiner Bilanzierung kritisierte Leasingspezialist Grenke geht wegen der Corona-Pandemie und laufender Sonderprüfungen weiter von einer deutlichen Belastung für seine Gewinne aus. In diesem Jahr plant der Vorstand um Chefin Antje Leminsky einen Nettogewinn von 50 bis 70 Millionen Euro ein, wie das SDax -Unternehmen am Freitag in Baden-Baden mitteilte. Das ist noch einmal weniger als die 2020 laut vorläufigen Zahlen erzielten 79,9 Millionen Euro, die bereits einen Rückgang zur Vorjahr von gut 40 Prozent bedeuteten. Allerdings soll sich das Umfeld für den Leasing- und Factoringanbieter für kleine und mittlere Firmen im zweiten Halbjahr wieder beleben.

Der Aktienkurs des Unternehmens stieg am Vormittag zunächst deutlich bis auf gut 35 Euro, kam dann aber zurück und lag mit 34,25 Euro in etwa auf Vortagesniveau. Analyst Tim Schuldt von Pareto Securities wertete die Gewinnaussichten für das laufende Jahr als auf den ersten Blick enttäuschend, lägen sie doch unter seinen Schätzungen und auch den Erwartungen des Marktes. Das sei aber erklärbar durch die Lockdowns in den Ländern, in denen Grenke sein Geschäft betreibe. Schuldt und auch andere Börsianer hatten allerdings mit weniger Gewinn im vierten Quartal gerechnet.

"2020 war für Grenke eine gewaltige Herausforderung", sagte Leminsky. Das laufende Jahr sieht das Management als Übergangsjahr. Das geringere Neugeschäft der letzten Quartale und der kommenden Monate werde sich auch in den operativen Erträgen des Gesamtjahres 2021 zeigen. Das Leasingneugeschäft dürfte sich auf 1,7 bis 2 Milliarden Euro belaufen und damit unter dem Vorjahr liegen (2,0 Mrd). Zudem erwartet Grenke leicht steigende Kosten.

Grenke hat nach lauter Kritik des Leerverkäufers und Börsenspekulanten Viceroy rund um die Firmenbilanzen viel Ärger am Hals, der Aktienkurs sackte im September binnen weniger Tage von 55 Euro auf unter 25 Euro ab. Noch immer laufen eigens vom Unternehmen anberaumte Sonderuntersuchungen der Bücher durch den Wirtschaftsprüfer KPMG. Daher hat Grenke auch noch kein Testat für die Jahreszahlen 2020, weshalb die Zahlen nur vorläufig sind. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin lässt das Zahlenwerk des Konzerns von der Gesellschaft Mazars durchleuchten.

Grenke sah sich zuletzt von der Sonderprüfung der Bafin zumindest teilweise entlastet. So habe sich der Vorwurf der Geldwäsche nicht bestätigt, hieß es im Februar. Zudem gebe es keine Zweifel an der Existenz der Leasingforderungen. Die Prüfer waren aber auch auf Mängel im Haus gestoßen. So hatten sie auch Prozesse in der Grenke Bank und in der Compliance-Organisation beanstandet und bemängelt, dass die Franchise-Unternehmen früher nicht voll konsolidiert wurden.

In dieser Woche hatte Grenke mitgeteilt, das Unternehmen rechne mit einem Testat des Jahresabschlusses durch KPMG am 17. Mai - vollständig geprüfte Zahlen will das Unternehmen dann am 21. Mai vorlegen. Dann soll auch ein Dividendenvorschlag gemacht werden.

Der Aufwand für die Prüfungen zehrte im vergangenen Jahr am Gewinn und belastete damit zusätzlich zur Corona-Krise, die ohnehin viele Kunden in ihren Geschäften beschränkte. 2020 fielen bei Grenke 24,2 Millionen Euro an Prüf- und Beratungskosten an, knapp zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr kosteten die Untersuchungen bereits 6,7 Millionen Euro.

Um die Kritikpunkte aus den Sonderprüfungen anzugehen, will Grenke entsprechende Maßnahmen in diesem Jahr "weitgehend" umsetzen. Dazu gehört auch die Übernahme der ersten Franchise-Gesellschaften bis Jahresende. Der gesamte Übernahmeprozess soll 2022 abgeschlossen werden. Konsolidiert hat das Unternehmen die Gesellschaften in den eigenen Büchern bereits wie im Februar angekündigt, für das Jahr 2019 wurden die Zahlen daher angepasst.

Auch das kostete Geld, weil zuvor ausgewiesene Firmenwerte nach unten korrigiert werden mussten. Der Gewinn nach Steuern reduzierte sich dadurch um einen einstelligen Millionenbetrag, das Eigenkapital verringerte sich durch die Konsolidierung allerdings um fast 88 Millionen Euro. Die Behandlung der Franchise-Unternehmen im Ausland, vor allem ihre Eigentümersituation und mögliche Interessenskonflikte, war stark kritisiert worden - von Viceroy, aber auch durch die Wirtschaftsprüfer.

Das Zinsergebnis legte bei Grenke im vergangenen Jahr zwar um knapp 7 Prozent auf 407 Millionen Euro zu. Den Konzern kamen in der Krise aber neben den zusätzlichen Prüfungs- und Beratungskosten vor allem höhere Kosten für die Schadensabwicklung und Risikovorsorge teuer zu stehen. Sie schnellten um 62 Prozent auf 216 Millionen Euro in die Höhe. Das operative Ergebnis sackte bei Grenke so um ein Drittel auf 114,5 Millionen Euro ab.

Grenke finanziert vielen Klein- und Mittelständlern unter anderem deren Ausstattung für Büros und Geschäftsräume und bietet ihnen auch die Vorfinanzierung von Forderungen an, das sogenannte Factoring. Diese Firmengruppe litt besonders unter Lockdowns und Geschäftsbeschränkungen in der Pandemie, Grenke bot Leasingnehmern etwa die Stundung von Leasingraten./men/mis/Stk