LONDON/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Im Bieterkampf um Zooplus hat der Finanzinvestor Hellman & Friedman seine Offerte um fast ein Fünftel erhöht. "Um die anhaltenden Spekulationen über andere, jedoch noch ungewisse indikative Angebote Dritter zu beenden", biete Hellman & Friedmann nun 460 Euro je Aktie in bar statt wie bislang 390 Euro, teilte der Finanzinvestor am späten Sonntagabend in London und München mit. Mit der Offerte werden die Aktien des Onlinehändlers für Tierbedarf insgesamt mit knapp 3,3 Milliarden Euro bewertet.

Der Finanzinvestor hatte bereits Mitte August ein Gebot vorgelegt, das vom Unternehmen unterstützt wurde. Seitdem sind mit EQT und KKR zwei weitere Interessenten aufgetaucht. Zooplus bestätigte Gespräche mit den beiden Finanzinvestoren, allerdings habe keiner davon bislang ein Gebot vorgelegt. Der Aktienkurs von Zooplus stieg wegen der Verhandlungen von Zooplus mit den beiden Investoren bereits deutlich über das ursprüngliche Gebot von Hellman & Friedman.

Außer dem höheren Gebot ändert sich an den Plänen für die Übernahme nichts. Hellman & Friedman will demnach mindestens 50 Prozent plus eine Aktie mit seinem Gebot übernehmen. Für rund 17 Prozent der Anteile haben Investoren laut der Mitteilung bereits ihre Zusage erteilt, darunter Vorstandsmitglieder und der langjährige Großaktionär Maxburg Beteiligungen. Zu gegebener Zeit will Hellman & Friedman das Unternehmen dann auch von der Börse nehmen.

Die Branche für Haustierbedarf kann sich dank der Corona-Krise über eine boomende Nachfrage freuen. Denn viele Menschen hatten sich während der Pandemie Haustiere zugelegt. Dies treibt auch das Geschäft von Zooplus seit einigen Quartalen an. Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel steigerte das Unternehmen die Zahl der aktiven und wiederkehrenden Kunden und legte auch mit seinem Abo-Modell deutlich zu.

Dank des Corona-Effekts hatte die kurz vor dem Aufstieg in den MDax stehende Zooplus-Aktie bereits vor der Offerte von Hellman & Friedman zu den großen Gewinnern gehört. Zwar waren sie mit dem Börsen-Crash im März 2020 auf 65 Euro gefallen, aber von Ende Januar 2020 - also bevor die Corona-Pandemie ausgebrochen ist - bis am Tag vor dem Gebot von Hellman und Friedman legte der Kurs rund 240 Prozent auf knapp 280 Euro zu. Inzwischen beläuft sich der Kursanstieg auf fast 440 Prozent auf 434 Euro.

Mit der coronabedingten Rally und dann zuletzt der Übernahmeofferte konnte Zooplus eine jahrelange Schwächephase an der Börse abhaken. So waren die Papiere gegen Mitte 2017 auf rund 200 Euro nach oben geschnellt, anschließend aber wegen trister Geschäftszahlen und geplatzter Übernahmehoffnungen peu a peu abgerutscht. Langfristig gesehen hat sich das Investment für Aktienanleger ausgezahlt. Im Vergleich zum ersten Kurs im Mai 2008 ist der Wert der Aktie - den Aktiensplitt von 2011 einkalkuliert - in rund 13 Jahren auf fast das 35-Fache gestiegen./zb/ngu/jha/