WIESBADEN (dpa-AFX) - Die strengen Corona-Regeln in Hessen sollen in einem Vier-Stufen-Plan gelockert werden. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte als erste Schritte wieder mehr Kontakte für eine größere Zahl von Menschen und eine vorsichtige Öffnung des Einzelhandels an. Ein CDU-Sprecher bestätigte am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Details zu dem Perspektivplan der Landesregierung will der Regierungschef an diesem Donnerstag (12.30 Uhr) in Wiesbaden vorstellen.

Für den Einzelhandel sei geplant, dass Kunden künftig einen Termin für den Einkauf vereinbaren können sollen und dann einen "persönlichen Verkäufer" in dem Geschäft bekommen. Die strengen Hygienevorschriften müssten selbstverständlich weiter befolgt werden. Zudem sollen sich wieder zwei Haushalte in Hessen treffen dürfen, sagte Bouffier bei einer digitalen CDU-Veranstaltung in Fulda am Dienstagabend.

Die Beurteilung der Corona-Handlungsspielräume werde in Hessen künftig nicht mehr von den Inzidenzen abhängen, erklärte der CDU-Landeschef. Es müsse zwar weiter vorsichtig in der Corona-Pandemie vorgegangen werden. "Wir können aber auch nicht so weitermachen." Eine Öffnung für die Sportvereine ist nach Einschätzung des Ministerpräsidenten derzeit aber noch nicht verantwortbar.

Der allgemeine Corona-Lockdown mit vielfachen Schließungen und einem Herunterfahren des öffentlichen Lebens in Hessen gilt zunächst weiter bis 7. März. Die Landesregierung hat jedoch bereits sei Anfang der Woche für die Schüler der Klassen eins bis sechs eine Rückkehr in die Klassenzimmer im Wechselunterricht zugelassen. Rund 360 000 Schülern dieser Altersstufen wird diese Möglichkeit gegeben.

Durch das Modell des Wechselunterrichts werden die Schulklassen aufgeteilt: Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen können tage- oder wochenweise tauschen. Welches Modell des Wechselunterrichts konkret praktiziert wird, entscheiden die Schulen in Eigenregie. Mit diesem Vorgehen können die Kontakte reduziert und Corona-Abstände besser eingehalten werden.

Die hessische Landesregierung hatte im Dezember die Präsenzpflicht in der Schule für diese Jahrgangsstufen ausgesetzt. Ab Klasse sieben gilt in Hessen mit Ausnahme der Abschlussklassen Distanzunterricht. Neben der Lockerung für die Schulen können auch die Kitas wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb gehen. Sie öffnen grundsätzlich wieder für alle Kinder, aber unter strengen Corona-Regeln. Ab dem 1. März dürfen dann auch Friseursalons in Hessen wieder öffnen.

Am 3. März soll es das nächste Corona-Bund-Länder-Treffen geben. Bund und Länder hatten zuletzt regionale Öffnungsschritte bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 nach dem 7. März angekündigt.

In Hessen sind innerhalb eines Tages 681 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage, lag am Mittwoch bei 60,3, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch (Stand 3.10 Uhr) hervorgeht. Am Vortag hatte sie bei 60,5 gelegen.

Insgesamt wurden demnach seit Beginn der Pandemie 185 434 Fälle in Hessen nachgewiesen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich um 37 auf 5751. Unter den Landkreisen und kreisfreien Städten wiesen der Landkreis Groß-Gerau mit 104,8, der Main-Kinzig-Kreis mit 87,5 und der Lahn-Dill-Kreis mit 80,9 die höchsten Inzidenzwerte auf./glb/DP/mis