MÜNCHEN (dpa-AFX) - Das Münchner Ifo-Institut erwartet wegen des andauernden Corona-Lockdowns einen neuerlichen Dämpfer für die Konjunktur, aber keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Stattdessen rechnen die Ifo-Konjunkturforscher nach Angaben vom Mittwoch zum Jahresbeginn mit einem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt.

"Die Wirtschaftsleistung dürfte nur in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen ins Minus rutschen, in denen soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind", sagte Timo Wollmershäuser, der Leiter der Konjunkturprognosen. Das betrifft im Wesentlichen Gaststätten, Freizeit, Kultur und Sport sowie Friseur- und Kosmetiksalons. Nach den Berechnungen des Ifo-Instituts könnte die Schließung dieser Bereiche das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2021 nochmals um knapp einen Prozentpunkt nach unten drücken.

Wollmershäuser und Kollegen schätzen, dass die reale Wirtschaftsleistung in den betroffenen Zweigen im ersten Quartal 2021 um etwa 20 Milliarden Euro niedriger liegen wird als im vierten Quartal 2019 vor Ausbruch der Corona-Krise. "Da die Industrie- und Baukonjunktur jedoch weiterhin gut laufen, dürfte das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nicht zurückgehen, sondern stagnieren", sagte Wollmershäuser.

Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte vor voreiligen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. "Wenn wir also jetzt öffnen, und die Menschen haben Angst sich anzustecken, dann gehen sie eben trotzdem nicht ins Restaurant", sagte Fuest im RBB-Inforadio. Es sei eine Illusion zu glauben, dass sich die Wirtschaft erhole, so lange die Infektionszahlen hoch seien. Studien zeigten, dass 80 Prozent der wirtschaftlichen Effekte auf das Virus zurückzuführen seien und nicht auf Lockdown-Maßnahmen./cho/DP/bgf